Das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier am vergangenen Sonntag kannte in den Augen der Wähler keinen klaren Sieger – sehr zum Unmut der CSU. Die bayerische Schwesterpartei der CDU warnt davor, dass es bei der Bundestagswahl wieder nicht für eine schwarz-gelbe Mehrheit reichen könnte und macht dafür, laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung, vor allem die Kanzlerin verantwortlich.

So zitiert das Blatt mehrere Spitzenvertreter der Partei, die davor warnten, dass die Stimmung noch kippen könne. Die Strategie der CDU-Chefin, einen Vorsprung in den Umfragen zu halten, sei bereits im Jahr 2005 gescheitert, sagte laut Süddeutscher ein CSU-Vorständler. Sie müsse deshalb mehr Profil zeigen, vor allem in der Wirtschaftspolitik. Die CSU dränge die CDU daher, ein wirtschaftspolitisches Sofortprogramm vorzulegen.

Wie die Zeitung weiter berichtet, habe CSU-Chef Horst Seehofer ein solches Papier für seine Partei am Montag angekündigt, um die "inhaltliche Verbindung" zur FDP zu dokumentieren und gemeinsame Rezepte für mehr Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze zu beschreiben. An dem Papier werde noch gearbeitet, hieß es.

Dass ausgerechnet Seehofer und seine Partei nun die Gemeinsamkeiten mit dem Wunschpartner FDP in den Vordergrund rücken will, überrascht und zeigt, wie groß die Nervosität im Unionslager elf Tage vor der Wahl am 27. September ist. Denn es waren die Christsozialen, die in den vergangenen Wochen kaum eine Gelegenheit ausgelassen hatten, um vor einem "neoliberalen Streichkonzert" zu warnen.

Diese Strategie soll nun aber offenbar der Vergangenheit angehören. "Was mit Schwarz-Gelb nicht kommen darf, ist jetzt ausreichend bekannt", zitiert die Süddeutsche ein Mitglied der CSU-Führung. "Was positiv mit Schwarz-Gelb kommt, ist nicht klar. Das müssen wir jetzt liefern, dringend und glasklar." Seehofer selbst soll gesagt haben, "eine inhaltliche Zuspitzung ist notwendig", und gefordert haben, das "schwarz-gelbe Projekt noch stärker" zu begründen.

Doch nicht alle CSUler sind mit dem neuen Wahlkampfkurs ihrer Partei einverstanden. Noch habe man in den Umfragen einen Vorsprung, sagte ein CSU-Vorstand laut Süddeutscher Zeitung. Jede Zuspitzung habe bislang dazu geführt, "dass die anderen zugelegt haben".

Auch in der CDU regt sich Widerstand gegen ein kurzfristig präsentiertes wirtschaftspolitisches Programm. Dies, so schreibt das Blatt, betrachteten einige in der Parteispitze als Fehler, da es wie eine Strategieänderung aussehe. "Zwei Wochen vor der Wahl ändert man nicht mehr die Linie", sagte ein CDU-Präsidiumsmitglied der Süddeutschen.

Dennoch wächst dem Bericht zufolge auch in der CDU die Sorge, dass Union und FDP erneut eine Regierungsmehrheit verfehlen könnten. Intern hätten deshalb die Ministerpräsidenten von Hessen und Niedersachsen, Roland Koch und Christian Wulff, für eine klarere Botschaft geworben:
Die CDU solle bis zur Wahl massiv die Gefahr einer rot-rot-grünen Mehrheit thematisieren.

Genau dies hat Kanzlerin Merkel am Dienstag während ihrer Wahlkampftour getan. Auf Kundgebungen in Koblenz und Frankfurt am Main wies sie angesichts knapper Umfragewerte auf die Gefahr von unsicheren Mehrheiten und die Möglichkeit einer rot-rot-grünen Koalition im Laufe der nächsten Wahlperiode hin. Deutschland müsse jetzt aus der Krise geführt werden. "Wir brauchen dafür stabile Verhältnisse. Wir können uns keine Experimente erlauben", sagte sie in Anspielung auf einen erfolgreichen Wahlkampf-Slogan der CDU aus der Zeit von Bundeskanzler Konrad Adenauer.

Zugleich bekannte sie sich in einem Zeitungsinterview klar zu einer schwarz-gelben Regierungskoalition nach der Bundestagswahl. "Man geht mit der Partei zusammen, mit der man die größten Gemeinsamkeiten hat und das ist für uns auf den wichtigsten Feldern die FDP", sagte Merkel dem Hamburger Abendblatt. "Ich glaube, wir können gemeinsam mit der FDP Deutschland am besten aus der schweren Wirtschaftskrise führen." Merkel widersprach der Behauptung, sie ziele insgeheim auf eine Fortsetzung der großen Koalition: "In unserem Regierungsprogramm, das CDU und CSU im Juni schon beschlossen haben, steht, dass wir mit der FDP regieren wollen."