Was Karl-Theodor zu Guttenberg gemeint habe damit, dass das nächste Jahr hart sein werde und Verzicht bedeuten werde auf manches Liebgewonnene? Der CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer erklärt sich selbst für unzuständig: "Da müssen Sie ihn selbst fragen!" Das Problem ist nur: Das geht gerade nicht. Der Bundeswirtschaftsminister ist nicht dabei, als seine CSU ihr "100-Tage-Sofortprogramm" vorstellt – ein plötzlich notwendiger Arztbesuch. "Nichts Dramatisches", sagt Generalsekretär Alexander Dobrindt; überdies habe Guttenberg ihn ausdrücklich gebeten mitzuteilen, dass er das Programm inhaltlich teile. "Zu hundert Prozent", erklärt Dobrindt.

Das ist an sich ja auch kein Wunder. Seit voriger Woche kündigt die CSU lautstark an, dass sie den Wahlkampfendspurt mit einem Sofortprogramm für die Zeit danach ankurbeln wolle. Jetzt liegt es vor. Allerdings steht nichts drin, jedenfalls nichts, was nicht im CSU-Wahlprogramm vor gut acht Wochen schon einmal aufgeschrieben worden ist. Einzig die Forderung nach Grenzen für Manager-Boni ist erweitert worden um den Ruf nach Abzügen bei schlechter Leistung. Der ganze Aufwand bloß dafür? Nur für eine kleine Nachhilfestunde für vergessliche Wähler?

Diese Frage nach dem Sinn stellen sie sich bei der CDU schon länger. Die Schwesterpartei hatte der Forderung von CSU-Chef Horst Seehofer nach einem 100-Tage- Programm eine Absage erteilt – das sei überflüssig, befand auch die CDU-Vorsitzende, Kanzlerin Angela Merkel. Seehofer sah und sieht das anders.

Seither muss Merkel immer wieder erklären, weshalb dieser christsoziale Eigensinn kein Misstrauensvotum gegen ihren sanft-präsidialen Wahlkampfstil sein soll. Am Montag muss sie es noch mal erklären. "Man kann auch mal einen eigenen Akzent setzen, ohne dass das immer als Kritik an anderen verstanden werden muss", sagt sie im NDR verständnisvoll. Sie habe erst am Sonntag wieder mit Seehofer gesprochen. "Wir kämpfen da wirklich Hand in Hand."