Deutschland hat die Wahl: An diesem Sonntag sind 62,2 Millionen Bundesbürger aufgerufen, einen neuen Bundestag zu wählen. Um die rund 600 Abgeordnetensitze bewerben sich insgesamt mehr als 3500 Bewerber aus 28 Parteien. Nach allen Umfragen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gute Chancen, im Amt zu bleiben – vielleicht an der Spitze einer schwarz-gelben Koalition. Doch die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Frank-Walter Steinmeier hat aufgeholt und kann hoffen, sich nochmals als Juniorpartner in eine Große Koalition zu retten.

Mit welchem Personal würde eine Koalition aus CDU/CSU und SPD regieren?

Sollte die SPD sich wieder als Juniorpartner in eine Große Koalition retten, wird sie auf Ministerposten verzichten müssen. Selbst die größten Optimisten in der Partei rechnen mit deutlichen Stimmenverlusten, weshalb mindestens zwei der bisher acht SPD-Ressorts an die Union gehen dürften. Vizekanzler Steinmeier tritt das Auswärtige Amt womöglich freiwillig ab, um in Personalunion den Fraktions- und Parteivorsitz der SPD zu übernehmen. Steinmeier würde damit als Doppelvorsitzender zum starken Mann und hielte sich zugleich die Option auf eine weitere Kanzlerkandidatur im Jahr 2013 offen, glauben seine Anhänger. 

Unklar ist jedoch, wer an Steinmeiers Stelle Außenminister werden könnte. Peer Steinbrück, noch Finanzminister, wäre als erklärter Anhänger der großen Koalition mit gutem Draht zur Bundeskanzlerin eine wichtige Säule für Schwarz-Rot. Ein geborener Diplomat ist der für seinen ruppigen Stil bekannte Politiker allerdings nicht. Außerdem würde Steinbrück als Finanzminister zur Bewältigung der riesigen Haushaltsprobleme gebraucht.

Gute Chancen, ihre Ämter zu behalten, hätten bei einer Neuauflage der Großen Koalition die Minister Olaf Scholz (Arbeit), Sigmar Gabriel (Umwelt) und Brigitte Zypries (Justiz). Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee gilt in der SPD hingegen seit längerem als Fehlbesetzung. Für die dienstälteste Ressortchefin, Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, wird es nach Meinung vieler jüngerer Genossen Zeit, ihren Platz zu räumen. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die der SPD im Wahlkampf eine Dienstwagenaffäre beschert hat, muss sich ebenfalls auf ihren Abschied vorbereiten. Auf ihr Ministerium will die SPD in Zukunft verzichten.

Attraktiver erscheint der SPD das Familienministerium, um das sie sich aber mit der Union streiten müsste. Steinmeier hält große Stücke auf die 35-jährige Manuela Schwesig. Die Sozialministerin aus Mecklenburg-Vorpommern war im Kompetenzteam des Kandidaten für Familie zuständig. Doch es gibt für die Union und Merkel viele Gründe, das Familienministerium zu behalten. Ressortchefin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Familienpolitik dazu genutzt, die Union zu modernisieren und zu einer der beliebtesten Politikerinnen aufzusteigen.

Wie viele Ministerien die Union neu besetzen würde, ist unklar. Als Gesundheitsminister wird Josef Hecken (CDU) genannt, Chef des Bundesversicherungsamtes und damit Herr über den Gesundheitsfonds. Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) ist als neue Chefin der Konrad- Adenauer-Stiftung im Gespräch. Wenn Fraktionschef Volker Kauder ins Kabinett geht, dann womöglich als Chef eines neu zugeschnittenen Infrastrukturministeriums.

Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) hat sich bewährt. Sollte er eine neue Aufgabe übernehmen, könnte er Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ablösen. Diesen wünschen sich Unionspolitiker als EU-Kommissar. Und dann ist da noch Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). Seine Informationspolitik nach dem umstrittenen Luftangriff auf Tanklastwagen in Afghanistan gilt auch innerhalb der Union als katastrophal. Gleichwohl will Merkel offenbar an ihm festhalten. Keinerlei Sorgen um seine Zukunft müsste sich Wirtschaftsminister und CSU-Star Karl-Theodor zu Guttenberg machen: Er würde wohl einfach in seinem Amt bestätigt.

Wie stabil wäre eine schwarz-rote Regierung?