Wahlen sind auch deshalb spannend, weil die Wählerschaft sich ständig verändert. Alle vier Jahre ist eine neue Generation aufgerufen, fortan mit zu entscheiden, wer das Land regiert. Die neuen Wähler beschäftigen oft andere Themen, setzten andere Prioritäten, haben andere Vorbilder, als diejenigen, die schon länger im demokratischen Klub dabei sind.  

Parteien und Meinungsforscher schauen nach jeder Wahl neugierig und zugleich argwöhnisch auf das neue Elektorat. Neugierig, weil sich hier Trends ablesen lassen, weil jeder gerne für sich reklamiert, dass man die Jugend erreicht. Zwar sind die Alten für das Gesamtergebnis wichtiger. (Nahezu jeder zweite der 63,2 Millionen wahlberechtigten Deutschen ist inzwischen älter als 60 Jahre. Dagegen ist die Zahl von 3,5 Millionen potenziellen neuen Erstwählern überschaubar.) Dennoch freut sich jeder Parteichef über ein gutes Erstwählerergebnis, weil das eine hoffnungsvolle Zukunft verheißt.

Argwöhnisch sind die Profis, weil man per se wenig über die Spezies Neuwähler weiß – und daher auch vor negativen Überraschungen nicht gefeit ist. Verlieren Parteien signifikant in dieser Altersgruppe, schieben sie es häufig auf den Populismus der Konkurrenz und unterstellen der Jugend damit implizit ein unreifes Wahlverhalten. Auch für Wahlforscher stellen Neuwähler die größte Herausforderung dar, da es für die Debütanten keine historischen Erfahrungswerte gibt. Zudem ist das Wahlverhalten in jungen Jahren tatsächlich noch sprunghafter und kurzfristiger beeinflussbar, als wenn man schon ein paar Urnengänge auf dem Buckel hat.  

Insofern ist es immer ein wenig heikel, jugendliches Wahlverhalten vorherzusagen. Dennoch, studiert man Umfragen und die Ergebnisse der Landtagswahlen der ausklingenden Legislaturperiode, lassen sich ein paar Trends erkennen.

Erstwähler-Sonntagsfrage

Gäbe es nur Erstwähler, hätte Schwarz-Gelb am 27. September keine Chance. Das lässt sich anhand zweier aktueller repräsentativer Umfragen erkennen. Laut Bundeszentrale für politische Bildung, die diese Woche eine hervorragend detaillierte Erhebung veröffentlichte, erhalten CDU/CSU bei den 18 bis 24-Jährigen 26 Prozent und die FDP 13 Prozent. Ebenfalls auf exakt 39 Prozent für das bürgerliche Lager kam das Umfrageinstitut emnid bei seiner Erstwählerbefragung im Juli 2009. Hier schnitt die FDP mit neun Prozent schlechter ab, die Union mit 30 Prozent etwas besser. Beide Umfragen zeigen: Union und FDP liegen bei den Erstwählern jeweils deutlich unter dem Parteidurchschnitt.

Ansonsten ist das Umfragebild auf den ersten Blick ziemlich heterogen. Man sieht fünf Parteien, die alle nicht allzu weit auseinander entfernt liegen. Keine kommt mehr über 30 Prozent, keine mehr unter zehn. Die deutsche Jugend – ein Flickenteppich? Die Detailanalyse zeigt weitere aufschlussreiche Ergebnisse.

Die Jugend ist grün, nach wie vor

Eine Zeitlang hielt sich die These, die Grünen seien eine Ein-Generationen-Partei. Gegründet von den alternativen Post-68ern – und mit dieser Bewegung alt und wohlhabend geworden. Für die Führungsschicht mag das stimmen, nicht jedoch für die Wähler. In keiner Altersgruppe sind die Grünen so stark wie bei den jüngsten Wählern. Laut Bundeszentrale für politische Bildung wollen 19 Prozent der Erstwähler die alte Ökopartei wählen, laut emnid sogar 21. Die Umfragen decken sich mit den jüngsten Landtagswahlergebnissen. In Thüringen, in Sachsen und im Saarland waren die Grünen bei den Erstwählern fast doppelt so stark wie im Gesamtergebnis. Auch bei den vorherigen Wahlen in Bayern, Niedersachen oder Hessen wuchsen die Grünen, weil sie bei den Jungwählern punkteten.