Schwarz-Gelb

Union und FDP ziehen wie schon 2005 erneut als "Wunschkoalitionspartner" in den Wahlkampf. Und doch ist nicht zu übersehen, dass die beiden Parteien sich in den vergangenen vier Jahren der Großen Koalition auseinander gelebt haben. Die Union hat sich von ihrem einstigen liberalen Reformkurs verabschiedet, macht sozialdemokratische Wirtschaftspolitik und sucht ihre Heimat nun wieder in der politischen Mitte. Das passt schlecht zu einer FDP, die sich gerade in Zeiten der Krise als Hüterin der reinen Lehre der Marktwirtschaft versteht.

Auch das Verhältnis zwischen den beiden Hauptprotagonisten eines schwarz-gelben Bündnisses, FDP-Chef Guido Westerwelle und CDU-Chefin Angela Merkel, gilt als abgekühlt. Die Aufbruchsstimmung von 2005 ist verflogen, ein erkennbares gemeinsames Projekt fehlt.

Ein schwarz-gelbes Bündnis wäre zudem ein Schritt zurück in die alte Bundesrepublik. Von den 60 Jahren, die der Staat nun alt ist, haben Union und FDP bereits 27 Jahre lang gemeinsam die Regierung gestellt.

Dennoch gilt Schwarz-Gelb derzeit als wahrscheinlichste Regierungskonstellation, zumal das Wahlrecht die Union begünstigt. Fest steht: Wenn es rechnerisch nach der Wahl für Schwarz-Gelb reicht, wird das Bündnis auch realisiert. Schließlich haben beide Parteien klare Koalitionsaussagen abgegeben. Alles andere wäre Wählertäuschung und der eigenen Basis nicht zu vermitteln.