Müßig, zehn Tage vor der Wahl über ihren Ausgang zu spekulieren. Auf den Zustand des Fünfparteiensystems, das uns nach dem 27. September weiter begleiten wird, wirft die kleine Verunsicherung der schwarz-gelben Siegesgewissheit allerdings ein trübes Licht. Sie haben sich nicht bewegt, die Parteien, denen die Wähler doch schon 2005 deutlich gesagt haben, dass die Zeit der schlichten Koalitionsbildungen vorbei ist.

Nach der Bundestagswahl 2005 waren die Sondierungen um Jamaika oder Ampel in wenigen Stunden erledigt. Denn solche Bündnisse waren durch nichts vorbereitet. Die in zwei Ländern bereits vorexerzierten rot-roten Koalitionen waren bundespolitisch nicht belastbar. So weit der Stand vor vier Jahren.

Und heute, nach vier Jahren großer Koalition? Zwischen Schwarz und Grün hat es keine Bewegung gegeben, die über das Niveau der "Pizza-Connection" der 90er Jahre hinausgekommen wäre. Die Hamburger Landeskoalition ist nicht beispielgebend, sondern ein Stadtstaat-Bündnis, das an die jeweiligen Parteitraditionen nur schwach gebunden ist.

Sozial-Liberal: Fehlanzeige. Gelb und Grün: Die Erbfeindschaft wird gepflegt. Die SPD hat die Partei links von ihr dem Selbstlauf und Klaus Wowereit überlassen und noch dazu das hessische Debakel veranstaltet. Die Linke wiederum hat ihrer Westausdehnung über Oskar Lafontaines Protestkurs den Vorzug vor der Anstrengung um ihr "Godesberg", ihr realpolitisches Ankommen in der Bundespolitik, gegeben.

Beim FDP-Parteitag am kommenden Sonntag wird man genau hinhören, ob Parteichef Guido Westerwelle es definitiv ausspricht: Schwarz-Gelb – und sonst gar nichts. Dann stünde seine Partei ohne weitere Option da, wenn der Souverän auch den dritten Anlauf von Schwarz- Gelb nicht mit Mehrheiten bedenkt, anders als seine Wunschpartnerin Angela Merkel.

Die einzige Alternative wäre: Fortsetzung der großen Koalition und deren unvermeidliche Folge, das fortgesetzte Siechtum der Volksparteien. Viel besser als der SPD wird es der Union auf Dauer dabei nicht gehen.

Das stellt unseren Parteien ein schlechtes Zeugnis aus. Denn die Ausrede von 2005 – die Wähler haben es so gewollt – kann 2009 wirklich nicht mehr reklamiert werden. Das Fünfparteiensystem ist nicht erst 2005, und schon gar nicht erst seit den Landtagswahlen in Thüringen und im Saarland über uns hereingebrochen.