Bundesweit dümpelt die SPD in den Meinungsumfragen seit Wochen zwischen 22 und 24 Prozent herum und dürfte, wenn sich dies nicht noch ändert, bei der Bundestagswahl wohl ihr schlechtestes Ergebnis in der Geschichte der Bundesrepublik einfahren. Der Vorsprung der CDU, die in den Umfragen rund 13 Prozentpunkte besser dasteht, scheint uneinholbar.

Trost bieten könnte den Genossen aus dem Willy-Brandt-Haus in Berlin da ein Ausflug ins nahegelegene Potsdam.  Denn dort herrscht gewissermaßen verkehrte Welt. Elf Tage vor der Landtagswahl am 27. September liegt die dortige SPD nach einer ARD-Vorwahlumfrage des Meinungsforschungsinstituts dimap in der Wählergunst unangefochten vorn.

Wenn schon am nächsten Sonntag gewählt würde, käme die Partei auf 34 Prozent. Im Vergleich zur letzten Wahl 2004 wäre dies eine Verbesserung um 2,1 Prozentpunkte - und das, obwohl die SPD in Brandenburg seit 1990 den Ministerpräsidenten stellt.

Die CDU, die ebenfalls an der Regierung beteiligt ist, käme auf lediglich 21 Prozent - was allerdings ebenfalls einer leichten Verbesserung um 1,6 Prozentpunkte entspricht. 

An einen schwarz-gelben Wechsel ist in Brandenburg somit jedoch nicht zu denken. Auch wenn die FDP mit sieben Prozent auf einen Wiedereinzug in den Landtag hoffen kann. Anders als die Grünen, die nur auf vier Prozent kommen.

Nicht ausgeschlossen ist dagegen, dass die SPD nach der Wahl ein Bündnis mit der Linken suchen wird.  Rot-Rot wäre in diesem Fall gewissermaßen eine Große Koalition, denn die Linkspartei liegt mit unveränderten 28 Prozent deutlich vor der CDU.

Ministerpräsident Matthias Platzeck lässt sich bisher beide Koalitionsoptionen - Rot-Rot oder eine Fortsetzung des Bündnisses mit der CDU - offen. Dass eine Mehrheit in der SPD lieber mit den Linken regieren würde, gilt indes als sicher. Allerdings: Sowohl die Spitzenkandidatin der Linkspartei, Kerstin Kaiser, als auch der Landesvorsitzende, Thomas Nord, haben eine Stasi-Vergangenheit, was die SPD am Ende vor allem im Hinblick auf die bundesweite Wirkung doch noch von einem Zusammengehen abhalten könnte.