Wenn die Große Koalition eine "Zwangsehe" war, wie FDP-Chef Guido Westerwelle das Bündnis nennt, so ist das vor allem dem weiblichen Part an diesem Dienstag im Bundestag nicht sofort anzumerken. Kaum hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich der Regierungsbank niedergelassen, wendet sie sich freundlich schwatzend an ihren Noch-Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD). Der allerdings findet daran nicht wirklich Gefallen. Unruhig rutscht er auf seinem Stuhl hin und her, antwortet einsilbig.

Die Situation ist nun mal vertrackt. Eine Debatte über die "Situation in Deutschland" ist geplant. Drei Wochen vor der Bundestagswahl erwarten vor allem die Parteien von ihren Kandidaten da einen harten Schlagabtausch, auch wenn der Rahmen kein Fernsehstudio, sondern der Bundestag ist. Doch die Umstände haben es notwendig gemacht, dass zuerst über den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan debattiert wird. Die Lage dort ist zu ernst, um sie für billige Punktsiege zu nutzen. Das weiß Merkel. Und das weiß Steinmeier.

So erwecken die beiden zunächst einmal vor allem den Eindruck, dass die Große Koalition wenigstens in außenpolitischer Hinsicht noch intakt ist. In fast gleichlautenden Wendungen fordern sie eine lückenlose Aufklärung des Bombardements zweier Tanklaster in Nordafghanistan auf deutschen Befehl, bei dem es viele Opfer gegeben hat. Beide verwahren sich gegen die überaus heftige Kritik aus dem Ausland, loben sich für das in ihrer Regierungszeit durchgesetzte Konzept der "vernetzten Sicherheit". Steinmeier hat dabei noch das Pech, dass er erst nach der Kanzlerin reden darf. So gibt es für ihn eigentlich nichts Neues zu sagen.

Dann allerdings ist Wahlkampf. Ein bisschen jedenfalls. Bei Merkel merkt man das vor allem daran, dass sie ihre Rede so engagiert und locker vorträgt wie sonst selten. Man hat den Eindruck: Das sagt sie derzeit jeden Tag zwei Mal, sie kann ihren Part.

Auf scharfe Angriffe Richtung Sozialdemokraten verzichtet sie dabei freilich. Stattdessen verlegt sie sich aufs Eigenlob. Was hat die Große Koalition unter ihrer Führung nicht alles geschafft: Arbeitslosigkeit gesenkt, Konjunkturprogramme verabschiedet, Bildungsgipfel veranstaltet, die Schuldenbremse verabschiedet.

Die sozialdemokratischen Abgeordneten finden diese Vereinnahmung durch die CDU-Chefin so kurz vor der Wahl zwar gar nicht lustig. Doch das ficht Merkel nicht an. "Jetzt klatschen Sie doch auch mal", fordert sie die murrenden Abgeordneten großmütig auf. "Sie finden doch auch, dass das eine feine Sache ist."

Frank-Walter Steinmeier ist da nicht ganz so nett. "Wir haben das Beste aus der Großen Koalition gemacht", findet zwar auch er, doch stärker als Merkel versucht er, den Anteil seiner Partei an den Erfolgen herauszustellen. Die Regierungsbilanz trage eine "sozialdemokratische Handschrift", sagt er. Und den ein oder anderen Giftpfeil gegen Merkel, den hat er schon im Gepäck, wenngleich er die Kanzlerin hinter sich nicht direkt angreift.