Es gibt inzwischen ein zweites Video von Jürgen Rüttgers. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident macht auch darin Wahlkampf und hat keine Mühe, dem politischen Gegner SPD, der die Bilder ins Netz gestellt hat, Munition für den seinen zu liefern. Geht es doch wieder um die rumänischen Arbeiter im Nokia-Werk und über die wenig schmeichelhaften Dinge, die Rüttgers von diesen zu wissen glaubt.

Das erste Video, gedreht am 26. August in Duisburg, hatte ihm bereits heftige Kritik und den Vorwurf eingebracht, eine ähnliche Kampagne zu starten, wie im Landtagswahlkampf 2000 mit den Worten "Kinder statt Inder". Das zweite Band, aufgenommen am 28. August in Münster, verstärkte diesen Eindruck nun noch.

Die Union will in den Beleidigungen keine problematischen Äußerungen erkennen, die Opposition jedoch hält sie für einen Skandal. "Was Rüttgers sagt, ist Rassismus pur", sagte beispielsweise die Grünen-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Renate Künast, in der Leipziger Volkszeitung. Und der SPD-Kanzlerkandidat und derzeitige Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, Rüttgers richte damit so großen Schäden an, dass es der Außenpolitik schwer falle, diese wieder zu beseitigen.

Empört ist man vor allem auch darüber, dass die Bemerkungen kein Einzelfall waren, wie das zweite Video nun belegt. Die Äußerungen über die Arbeitsmoral der Rumänen seien kein Versehen, sondern "wohl kalkulierter Bestandteil seiner Wahlkampfreden", sagte der Generalsekretär der NRW-SPD, Michael Groschek. Künast forderte CDU-Chefin Angela Merkel auf, "rasch und unmissverständlich" Konsequenzen zu ziehen und erinnerte an seine früheren Äußerungen: "An dieser Stelle ist Jürgen Rüttgers Wiederholungstäter. So einer ist als stellvertretender CDU-Vorsitzender nicht tragbar."

Die nordrhein-westfälische CDU ärgert sich vor allem darüber, dass die Videos öffentlich gemacht wurden. Sie seien in der SPD-Zentrale fürs Internet "frisiert" worden, sagte der Generalsekretär der CDU in NRW, Hendrik Wüst. "Alles bekannt, alles kalter Kaffee. Jürgen Rüttgers hat sich hinreichend erklärt. Das Thema ist beendet."