Kurz vor der Bundestagswahl herrscht dicke Luft zwischen SPD und Gewerkschaften. Verärgert sind die Gewerkschaften über eine Beilage in der SPD-Zeitung Vorwärts. Darin sind führende Gewerkschafter als Unterstützer für den Deutschland-Plan von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier zitiert – allerdings ohne deren Einverständnis.

DGB-Chef Michael Sommer protestierte und bezeichnete die Veröffentlichung "eine völlig unzulässige Vereinnahmung" seiner Person. Er sei und bleibe parteipolitisch unabhängig, betonte Sommer.

Chefredakteur Uwe-Karsten Heye entschuldigte sich für die journalistische Panne: Es sei "durch ein Missverständnis innerhalb der Redaktion" vergessen worden, das ausdrückliche Einverständnis der Zitierten einzuholen. Wenn dadurch der "Eindruck einer einseitigen Parteinahme für den Kanzlerkandidaten und die SPD" entstanden sei und damit die Neutralitätspflicht der Gewerkschaften tangiert wäre, bedauere die Redaktion dies ausdrücklich, sagte er.

Neben dem Verbandschef sind in Vorwärts auch die Vorsitzenden der IG Metall und der IG BCE, Berthold Huber und Hubertus Schmoldt, mit Äußerungen zugunsten von Steinmeier oder gegen die Union zitiert. Auch sie reagierten verärgert.

Huber sieht sich für Wahlkampfzwecke der SPD missbraucht und sagte, der Vorgang sei "eine nicht akzeptable Grenzüberschreitung" und eine "unzulässige Vereinnahmung, die darauf spekuliert, dass ich mich nicht distanzieren würde".

Schmoldt sagte, die Veröffentlichung erwecke den Eindruck, dass die positive Bewertung von Thesen aus dem Deutschland-Plan ein Wahlaufruf für die SPD sei. "Dieser Eindruck ist falsch", stellte der IG-BCE-Chef klar.

Chefredakteur Heye, unter Bundeskanzler Gerhard Schröder einst Regierungssprecher, betonte, alle zitierten Prominenten hätten sich öffentlich positiv zum Deutschland-Plan geäußert. Die Zitate seien korrekt, aber nicht ausdrücklich für die Veröffentlichung autorisiert worden. Insgesamt treten 20 Prominente in Vorwärts als Unterstützer auf.

Der DGB und seine acht Einzelgewerkschaften verzichten – als Einheitsgewerkschaften für Mitglieder aller politischen Lager – auf eine Wahlempfehlung zugunsten einer Partei. Linksfraktionsvize Klaus Ernst sprach von "einem unerhörten Vorgang" und konstatierte, der SPD müsse "das Wasser bis zum Halse stehen, wenn sie sich derart dreister Methoden bedient". Allerdings hatte sich die SPD zuletzt deutlich an gewerkschaftliche Positionen angenähert, etwa bei Altersteilzeit und Mindestlohn.