Ein Patt sei es gewesen, urteilten viele Kommentatoren nach dem TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer von der SPD, Frank Walter Steinmeier. Doch die Selbsteinschätzung des Kanzlerkandidaten ist offenbar eine andere. Er sei mit seinem eigenen Auftritt "zufrieden" gewesen, sagte er der ZEIT.

Ihm sei bewusst gewesen "wie viel für meine Partei davon abhängt, ob man den eigenen Vormann verteidigen muss nach so einer Sendung oder ob man rausgehen und selbstbewusst sagen kann: Wir haben den Besten! Dass das gelungen ist, darauf bin wirklich ein bisschen stolz."

Zumindest eine Anhängerin hat er offenbar wirklich überzeugt. Seine Tochter habe ihm nach der Sendung eine SMS mit der knappen Botschaft "Gut, Papa!" geschrieben, erzählte der gerührte Kanzlerkandidat.

Doch auch darüber hinaus gibt es Anzeichen dafür, dass es Steinmeier mit seinem Auftritt tatsächlich gelungen ist, die öffentliche Meinung positiv zu beeinflussen. Einer Umfrage des Meinungsforschungs-Instituts Omniquest für den Kölner Stadt-Anzeiger zufolge hat Steinmeier im Vergleich zum Vormonat beispielsweise bei der Wirtschaftskompetenz um fast acht Prozentpunkte zugelegt. Zudem konnte er sich insbesondere bei den "weichen" Faktoren wie Menschlichkeit und Sympathie verbessert.

Auch nach Angaben von Forsa schneidet die SPD nun besser ab als noch vor einer Woche. Der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage zufolge konnten sich die Sozialdemokraten um drei Prozentpunkte auf 24 Prozent verbessern. Und auch Steinmeiers persönliche Werte sind gestiegen. So würden ihn nun 24 Prozent der Befragten zum Kanzler wählen, vier Punkte mehr als in der Vorwoche.

Allerdings: Auch die Union konnte zulegen - und der Abstand ist immer noch riesig. CDU und CSU kommen jetzt auf 37 Prozent (plus zwei Punkte), die Kanzlerin würden 56 Prozent  wählen (plus drei Punkte).

Weniger zufrieden als mit sich selbst ist Steinmeier dagegen mit der Berichterstattung zum TV-Duell: "Ich habe die Haltung vieler Journalisten nicht ganz verstanden, die ja selbst durch die Fragestellung ‚Duell oder Duett?’ die Erwartungen nach unten geschraubt haben", sagte er. Er glaube daran, "dass die Menschen auch eine inhaltliche Auseinandersetzung sehen wollen, ohne dass das reduziert wird auf Eitelkeiten oder Rituale, die natürlich auch Teil des Wahlkampfes sind."