Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr SPD- Herausforderer Frank-Walter Steinmeier sind am Sonntag zwei Wochen vor der Bundestagswahl im Fernsehduell aufeinandergetroffen. Hier das Minuten-Protokoll der TV-Debatte:

19.14 Uhr: Steinmeier trifft als erster im Studio Berlin-Adlershof ein, begleitet von Ehefrau Elke Büdenbender. Der Außenminister trägt einen anthrazitfarbenen Anzug, weißes Hemd und rote Krawatte.

19.25 Uhr: Die Kanzlerin kommt an, ohne Ehemann Joachim Sauer, aber mit ihren wichtigsten Beratern wie Büroleiterin Beate Baumann und Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Merkel trägt einen dunkelblauen Hosenanzug, weißes Oberteil und lachsfarbene Halskette.

20.30 Uhr: Anpfiff – das TV-Duell beginnt. Beide stehen in 2,40 Meter Abstand an zwei silbernen Pulten, gegenüber die vier Moderatoren.

20.31 Uhr: Frank Plasberg (ARD) fragt Steinmeier: Warum soll Merkel nicht mehr Kanzlerin sein? Es gebe eine Alternative: "Nämlich mich." Der Vizekanzler spricht Mindestlöhne und Managergehälter an – ohne Angriff auf Merkel.

20.33 Uhr: Peter Limbourg (SAT.1) fragt Merkel, warum Steinmeier der schlechtere Kanzler sei. Merkel greift nicht an. "Die große Koalition hat gute Arbeit gemacht." Sie wirbt aber für eine neue Regierung. Limbourg und Maybrit Illner (ZDF) fordern beide heraus. Merkel lässt sich nicht darauf ein.

20.36 Uhr: Peter Kloeppel (RTL) will wissen, ob sich beide duzen. Steinmeier verneint. Er setzt zur ersten Offensive an und lobt die rot-grünen Reformen bis 2005. Der SPD-Mann wirft der CDU vor, sie habe Entscheidungen in der großen Koalition dann nicht mitgetragen.

20.39 Uhr: Merkel weist Steinmeiers Vorwurf zurück. Sie spricht die Krise ann – und ihre Vorschläge für neue Regeln.

20.41 Uhr: Steinmeier greift zaghaft an und fordert einen Neustart der sozialen Marktwirtschaft – sonst Merkels Feld. Ist Merkel eine Marktradikale? Steinmeier sagt, das könne er nicht mit letzter Sicherheit beantworten. Da lacht Merkel.

20.44 Uhr: Die CDU-Chefin kontert – auch mit der sozialen Marktwirtschaft. Limbourg unterbricht – Merkel will ausreden.

20.46 Uhr: Merkel will keine Schulnote für die soziale Gerechtigkeit im Land geben. Sie räumt ein, es könne besser sein.

20.48 Uhr: Auch der Vizekanzler will keine Note geben. Er warnt vor einem Zerreißen des sozialen Zusammenhalts.

20.50 Uhr: Die Kanzlerin lässt sich von der Moderation nicht unterbrechen und will "durchreden". Sie sieht Gefahren durch den von der SPD geforderten Mindestlohn.

20.53 Uhr: Steinmeier warnt vor einer Lohnspirale nach unten. Merkel schaut ihn an – ohne erkennbare Mimik.

20.54 Uhr: Thema Opel - der erste harte Schuss von Steinmeier: Wenn Schwarz-Gelb regiert hätte, wäre Opel "mausetot".

20.57 Uhr: Merkel schießt zurück. Sie wirft Steinmeier nach der Opel-Äußerung indirekt eine Lüge vor.

20.59 Uhr: Doppelpass: Steinmeier verteidigt die Opel-Rettung. Merkel pflichtet ihm bei und ergänzt ihn.

21.00 Uhr: Thema Atompolitik: Die CDU-Chefin wirbt für sichere Kernenergie als "Brückentechnologie".

21.02 Uhr: Steinmeier hält dies nicht für verantwortbar: "Es muss beim Atomausstieg bleiben." Redezeit-Gleichstand.

21.04 Uhr: Merkel prangert die hohe Abfindung für Arcandor-Manager Karl-Gerhard Eick an. "Das halte ich für unanständig." Sie verteidigt das Abendessen für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Kanzleramt. "Ich würde immer wieder Abendessen machen, in denen sich bestimmte Menschen treffen."

21.10 Uhr: Steinmeier will schärfer gegen Managergehälter vorgehen. Nicht alles sei gelungen in der großen Koalition. Er blickt Merkel herausfordernd an und geht auf Parteispenden pro Schwarz-Gelb aus der Wirtschaft ein.

21.12 Uhr: Merkel weist Steinmeiers Äußerung zurück.

21.16 Uhr: Steinmeier will eine Börsen-Umsatzsteuer. Merkel warnt vor Folgen für Arbeitsplätze und fordert internationale Regelungen.

21.18 Uhr: Der SPD-Kanzlerkandidat wirft der Linkspartei Flucht aus der Verantwortung vor. Er fordert mehr Druck auf Banken.

21.21 Uhr: Merkel sagt ihren Kernsatz: "Wachstum schafft Arbeit."

21.24 Uhr: Wer zahlt die Zeche der Krise? Steinmeier will den Anstieg neuer Schulden begrenzen.

21.27 Uhr: Die Kanzlerin verteidigt Mehrschulden in der Krise und verweist auf die Schuldenbremse. Steinmeier verteidigt das Vorgehen.

21.29 Uhr: Bewegung kommt ins Spiel. Steinmeier wirft Merkel mangelnde Glaubwürdigkeit wegen der Steuerpläne vor. "Das ist nicht finanzierbar." Die CDU-Chefin: "Da sage ich aber ein ausdrückliches Ja."

21.32 Uhr: Steinmeier warnt vor höheren Kassenbeiträgen bei Schwarz-Gelb. Merkel schießt zurück. Sie kritisiert den SPD-Plan der Bürgerversicherung.

21.35 Uhr: Der SPD-Mann lässt sich in eine Dienstwagen-Debatte über Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) ein. "Die Diskussion hat uns nicht geholfen." Der Herausforderer liegt bei der Redezeit mit 26:14 knapp hinten. 27:03 für die Kanzlerin.

21.40 Uhr: Steinmeier verteidigt als Außenminister den Vorstoß, bis 2013 die Weichen zum Bundeswehr-Abzug aus Afghanistan zu stellen.

21.43 Uhr: Die Kanzlerin vermeidet eine Jahreszahl. Sie stellt sich vor Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU).

21.45 Uhr: Limbourg wirft beiden vor, sie wirkten wie ein "altes Ehepaar". Das animiert Steinmeier zum Eingreifen.

21.46 Uhr: Merkel will eine starke Union in einer Koalition mit der FDP. "Die Übereinstimmungen sind größer."

21.47 Uhr: Steinmeier: "Opposition kommt auf keinen Fall in Betracht", sagt er lachend. "Da ist noch was drin." Er will Kanzler werden, vermeidet das Wort aber.

21.49 Uhr: Merkel wirft Steinmeier Zerrissenheit vor, weil er gern mit der FDP koalieren wolle. Steinmeier geht nicht direkt darauf ein. Er attackiert stattdessen Rot-Rot, das es im Bund nicht geben soll.

21.53 Uhr: Merkel: "Garantieren kann man das nicht." Sie fordert eine Entschuldigung, dass die SPD bei der Bundespräsidentenwahl mit der Linkspartei zusammengearbeitet habe.

21.54 Uhr: Merkel leicht vorn bei der Redezeit.

21.56 Uhr: Steinmeier warnt davor, dass die SPD zu einer Klientel-Partei werde. Dies nutze der Gesellschaft nicht.

21.57 Uhr: Steinmeiers Schlusswort: "Schwarz-Gelb würde bedeuten, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergeht. Ich will Arbeit für morgen."

21.59 Uhr: Merkel bedankt sich für das Vertrauen der Bürger. "Für einen handlungsfähigen Staat brauchen wir klare politische Verhältnisse. Das geht nur mit einer starken Union." Sie will "Arbeit für alle".