Das Duell begann mit einem einträchtigen Eigenlob. Kanzlerin und Vizekanzler lobten zu Beginn der 90-minütigen Live-Sendung am Sonntagabend zunächst die Leistungen der Großen Koalition. Dennoch machten Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier von Beginn an deutlich, dass beide einen Regierungswechsel anstreben.

Den Auftakt der Fragerunde machte Steinmeier. Er sagte, er sei die bessere Alternative als Bundeskanzler. Bei der Bundestagswahl in zwei Wochen gehe es um eine Richtungsentscheidung. Zwischen Union und SPD gebe es klare programmatische Unterschiede. Die SPD trete etwa für Mindestlöhne und für den dauerhaften Ausstieg aus der Atomkraft ein. Steinmeier betonte, die Große Koalition habe in den vergangenen vier Jahren gut zusammengearbeitet. Sie sei aber unter ihren Möglichkeiten geblieben.

Merkel entgegnete, in den nächsten vier Jahren sei eine entschiedenere Politik für mehr Arbeit notwendig. Sie werbe für eine neue Regierung, sagte sie. Die von ihr geführte Regierung habe zwar gerade in der Krise gut zusammengearbeitet. So sei die Zahl der Arbeitslosen seit 2005 deutlich gesunken. Jetzt müsse aber ein noch klarerer Kurs eingeschlagen werden. Merkel befürwortet im Wahlkampf eine Koalition von Union und FDP.

Die Kanzlerin forderte Regeln für die internationalen Finanzmärkte. Der Staat sei der "Hüter der Ordnung", dies sei international "grob vernachlässigt" worden. Der SPD-Forderung nach der Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns widersprach Merkel. Sie glaube, dass dabei Arbeitsplätze verloren gingen. Aber dort, wo es keine tariflichen Regelungen gebe, werde eine Kommission ermitteln, was ein fairer Lohn sei.

Steinmeier hielt dem entgegen, man müsse die Lohnspirale nach unten aufhalten. Die Praxis in anderen Ländern wie in Großbritannien habe gezeigt, dass über flächendeckende Mindestlöhne keine Arbeitsplätze verloren gehen.

Weitgehend einig waren sich Merkel und Steinmeier beim Thema Opel. Nach Ansicht des SPD-Spitzenkandidaten werden durch den vereinbarten Verkauf an den Autozulieferer Magna alle deutschen Standorte sowie der größte Teil der Arbeitsplätze erhalten. Dennoch konnte sich Steinmeier eine Spitze in Richtung Schwarz-Gelb nicht verkneifen. Unter einer Koalition aus Union und Liberalen hätte der Autobauer Opel hätte nach seiner Meinung keine Überlebenschance gehabt. "Mausetot" wäre Opel unter Schwarz-Gelb, so Steinmeier.

Die Kanzlerin wies diese Darstellung zurück und machte deutlich, dass sich mehrere Landesregierungen aus Union und FDP um die Rettung von Opel verdient gemacht hätten. Sie verteidigte erneut das Vorgehen und den geplanten Verkauf von Opel an Magna und russische Investoren. Sie glaube, das Unternehmen habe jetzt eine bessere Perspektive. Sie widersprach Vorwürfen, der Steuerzahler werde durch den Opel-Umbau mit Milliarden zur Kasse gebeten. Bei den staatlichen Hilfen handele es sich um Kredite und Bürgschaften, deren "Ausfallwahrscheinlichkeit" sehr gering sei.