Für Chefredakteur Nikolaus Brender sollte das Forum neben dem TV-Duell zwischen Kanzlerin und Herausforderer aller Spitzenkandidaten "das wichtigste Diskussionsformat vor den Bundestagswahlen" sein, wie er sagte. Da weder Angela Merkel (CDU) noch Frank-Walter Steinmeier (SPD) teilnehmen wollen, strich das ZDF den Termin nun. Alle Spitzenkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien hätten in der Runde diskutieren sollen.

Der Senderchef hält die Absage der beiden Politiker für einen Fehler: "Die Verweigerung von Kanzlerin und Kanzlerkandidat beschädigt die demokratische Kultur", klagte Brender am Mittwoch. Aber auch die Opposition kritisierte Merkel und Steinmeier scharf und warf ihnen "Arroganz der Macht" vor. Merkel wollte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) als Vertreter schicken, der gar nicht für den Bundestag kandidiert. Daraufhin sagte Steinmeier am Mittwoch ab.

Seit März dieses Jahres hatte das ZDF eigenen Angaben zufolge versucht, die Kanzlerin durch mehrere Terminvorschläge für die Berliner Runde zu gewinnen – ohne Erfolg.

Mit den Absagen sei der Veranstaltung ihre "programmliche Grundlage" entzogen worden, erklärte Brender. Das ZDF wolle dennoch weiterhin versuchen, die Spitzenkandidaten vor der Bundestagswahl am 27. September an einen Tisch zu bekommen.

Die Verweigerung von Kanzlerin und Kanzlerkandidat beschädigt die demokratische Kultur
ZDF-Chefredakteur Brender

Steinmeier bedauere, dass sich Merkel nach dem TV-Duell vom Sonntag keiner weiteren Diskussion stellen wolle, verlautete es aus seiner Umgebung. Der Außenminister sehe aber keinen Sinn darin, mit dem Landespolitiker und CDU-Vize Wulff über die Zukunftsfragen des gesamten Landes zu debattieren.

Die CDU nahm die Absage der Runde durch das ZDF wiederum "mit Unverständnis entgegen". In den Jahren 2002 und 2005 hätten sich ähnliche oder sogar gleiche Konstellationen bei den Berliner Runden ergeben, dennoch hätten sie stattgefunden. "Es gibt keinen erkennbaren neuen Grund, jetzt dieses bewährte Diskussionsformat unmittelbar vor der Bundestagswahl abzusagen", sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla.

Die Opposition nutzte die Absage für scharfe Kritik am politischen Gegner: FDP-Chef Guido Westerwelle warf den Spitzenkandidaten der Regierungsparteien vor, eine demokratische Debatte mit den Vertretern der Opposition zu verweigern. "Wer sich der Demokratie der Diskussion mit der Opposition nicht stellt, muss vom Wähler für diese Arroganz der Macht die Quittung bekommen", sagte er.

Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin sprach ebenfalls von einer "bodenlosen Arroganz der Macht". Kanzlerin und Vizekanzler träten nur vor die Kameras, wenn sie sich wie am vergangenen Sonntag "ausgiebig gegenseitig beweihräuchern" könnten. "So ein Verhalten ist eigentlich typisch für autokratische Regime."

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi hielt Merkel und Steinmeier vor, sich die Auseinandersetzung mit den Oppositionsparteien nicht zuzutrauen. "Das ist eine komische Mischung aus Selbstgefälligkeit und Selbstunsicherheit", sagte er. "Beides zeichnet auch ihre Regierungstätigkeit aus."

Gysi sieht aber auch keinen Grund für die Absage durch das ZDF. "Die drei Oppositionsparteien hätten auch die Auseinandersetzung mit zwei Stellvertretern nicht gescheut."