Afghanistans Präsident Hamid Karsai hat seine Niederlage eingestanden: Auf einer Pressekonferenz in Kabul kündigte er eine Stichwahl zwischen ihm und seinem Herausforderer, den früheren Außenminister Abdullah Abdullah, an. Diese soll "in zwei Wochen ab heute" stattfinden. Agenturberichte sprechen vom 7. November als Datum der Abstimmung. Präsident Hamid Karsai nannte die Entscheidung "legal und verfassungsgemäß".

Zuvor hatte eine Untersuchung der Betrugsvorwürfe bei der Wahl vom August ergeben, dass wohl Zehntausende Stimmen für Amtsinhaber Karsai ungültig sind. US-Organisationen und Diplomaten zufolge zeigten die Ergebnisse der Beschwerdekommission, dass durch den Abzug der ungültigen Stimmen der Anteil für Karsai unter die Marke von 50 Prozent fällt. Damit konnte der Präsident eine Stichwahl gegen seinen stärksten Herausforderer Abdullah Abdullah nicht mehr verhindern.

Die Stichwahl erfolgt deshalb zu einem relativ nahen Termin, da bald der Winter in Afghanistan anbricht. Die Organisatoren der Wahl hätten dann vor beinah unüberwindbaren logistischen Herausforderungen gestanden. In diesem Fall hätte die Wahl bis zum Frühjahr verschoben werden müssen.

Dies wäre für den Westen und vor allem für die US-Regierung jedoch nicht vertretbar gewesen. Der umstrittene Ausgang der Präsidentenwahl hatte die Spannungen zwischen Karsais Regierung und dem Westen ohnehin verstärkt. Die Verunsicherung darüber wirkte sich auch auf die noch ausstehende Entscheidung der USA aus, ihre Truppen in Afghanistan zu verstärken, um die aufständischen Taliban effektiver zu bekämpfen.