Es ist der Tag der Koalitionsmatadore. Bis in die Nacht hatten die drei Parteichefs noch die letzten, knifflige Streitpunkte im Koalitionsvertrag ausgeräumt. Am Vormittag präsentierten Kanzlerin Angela Merkel, ihr designierter Vize Guido Westerwelle und CSU-Chef Horst Seehofer nun vor den Hauptstadtjournalisten frohgemut das Ergebnis der dreiwöchigen, zum Teil zähen und schwierigen Verhandlungen. 

Seit dem Wahltag hat man nicht mehr viel von den Anführern des schwarz-gelben Regierungsbündnisses gehört. Sie überließen es meist ihren Generalsekretären, die ausgehandelten Beschlüsse und Kompromisse der Öffentlichkeit mitzuteilen.  Nun aber, da das Werk vollbracht ist, stellen sich die drei der Bundespressekonferenz, um vom geglückten Abschluss der Koalitionsverhandlungen zu berichten.

Die Kanzlerin macht den Anfang. Ihre Stimme ist etwas belegt, sie hat Ringe unter den Augen und wirkt erschöpft – eine Folge der kräftezehrenden Kompromisssuche. "Mutig" werde die neue Regierung gemeinsam "in die Zukunft" marschieren, liest sie vom Sprechzettel ab.

Vermutlich war der Satz als ein Aufbruchsignal gedacht. Aber er kommt, so abgelesen, reichlich uninspiriert daher. Auch ihre beiden Nebenmänner scheinen ihn zu überhören. Westerwelle, in der Mitte sitzend, hat einen starren Blick und nickt müde. Seehofer, daneben, schaut mit halb offenem Mund ins Nirgendwo.

Die anfängliche Mattigkeit ist den langen Verhandlungsnächten geschuldet, die hinter den Koalitionären liegen. Allein am gestrigen Freitag verhandelten Merkel, Westerwelle und Seehofer in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung bis Viertel nach zwei Uhr morgens letzte Details im Koalitionsvertrag. Dabei ging es nicht mehr ums Personal und den Ressortzuschnitt; beides stand schon am Freitagnachmittag weitgehend bereits fest, sondern um harte Finanzfragen: Wann kommt die Steuerreform? Wie lässt sich das von allen Parteien gewünschte reformerische Herzstück bezahlen?

Der zurückliegenden Verhandlungsmarathon hat den drei Parteichefs nicht nur klar gemacht, was sie voneinander trennt – "warum wir in unterschiedlichen Parteien sind", wie Merkel das nennt. Sondern sie scheinen die künftigen Regierungspartner auch zusammengeschweißt zu haben.

Besonders Westerwelle und Seehofer demonstrieren immer wieder leutselige Einigkeit. Sie flachsen miteinander (Seehofer: "Habe ich das jetzt richtig gesagt?", Westerwelle lachend: "Ich lass das jetzt mal so stehen.") und sorgen immer wieder für Heiterkeit. So berichtet Westerwelle, dass er sich mit dem CSU-Chef, der seine FDP im Wahlkampf immer wieder hart angegangen war, seit vergangener Nacht duze. "Seit 2.15 Uhr sagen wir Horst und Guido". Vielleicht sei das "der Beginn einer wunderbaren Freundschaft".