Der Landesvorstand der Grünen im Saarland hat sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa und des Saarländischen Rundfunks für eine "Jamaika-Koalition" ausgesprochen. Das Gremium habe dem Parteitag an diesem Sonntagnachmittag ein Bündnis mit CDU und FDP empfohlen, hieß es in Teilnehmerkreisen. Landeschef Hubert Ulrich will den Beschluss erst in seiner Rede bekanntgeben, sprach nach der Vorstandssitzung aber von einer pragmatischen Entscheidung, die mit großer Mehrheit getroffen wurde.

Eine "Jamaika-Koalition" an der Saar wäre auch auf Bundesebene eine Premiere. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Parteitag der Saar-Grünen der Empfehlung des Vorstands folgt. Zuvor gab es Berichte, wonach Ulrich in Telefonaten mit Delegierten offen für eine Koalition mit CDU und FDP geworben habe.

Die Grünen hatten insgesamt zehn Sondierungsgespräche mit allen möglichen Partnern geführt. Die Runden blieben alle vertraulich, die Ergebnisse präsentierte Ulrich der Basis auf drei nicht-öffentlichen Regionalkonferenzen. Aus Teilnehmerkreisen wurde bekannt, dass vor allem CDU und FDP den Grünen weit entgegen gekommen sind. Auch SPD und Linke sollen sich auf die Grünen zu bewegt haben. Beide Seiten sollen zudem den Grünen zwei Ministersessel angeboten haben. Die Grünen hatten bei der Landtagswahl am 30. August 5,9 Prozent erreicht und stellen mit drei Abgeordneten die kleinste Fraktion im Parlament.

Inwieweit die Ankündigung von Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine, seinen Fraktionsvorsitz im Landtag beizubehalten, die Entscheidung beeinflusst, ist nicht klar. Ulrich hatte die Pläne Lafontaines am Freitag zwar als "klaren Affront" bezeichnet. Er wollte aber nicht über die Auswirkungen spekulieren, auch wenn die Ankündigung für Rot- Rot-Grün "nicht hilfreich" sei. Linke und Grüne hatten sich im Landtagswahlkampf teils drastisch beharkt. Das Verhältnis zwischen Ulrich und Lafontaine gilt als belastet. Die Grüne Jugend fordert ein Linksbündnis, stellt aber weniger als fünf Delegierte.