Die Homepage der Nordischen Zeitung zieren eine Todesrune und ein Gedicht in Fraktur: "Besitz stirbt, Sippen sterben / Du selbst stirbst wie sie / eins weiß ich, das ewig lebt / der Toten Totenruhm". Es wird ein Heldenbegräbnis zelebriert auf der Seite, die zur germanentümelnden "Artgemeinschaft" von Jürgen Rieger gehört. Der Anwalt, Neonazi und NPD-Funktionär ist am Donnerstag an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

Auf der Homepage des rechtsextremen Rechtsanwalts und Hitlerverehrers heißt es: "Heute Mittag (Donnerstag), kurz nach 13 Uhr, hörte sein starkes Kämpferherz auf zu schlagen". Das pathetische Zitat stammt von dem Kameradschaftsführer Thomas Wulff. Riegers treuer Kamerad, der sich "Steiner" nennen lässt, hatte den 63-Jährigen am Sonnabend in ein Krankenhaus in Berlin-Neukölln gebracht, nachdem dieser bei einer Vorstandssitzung der rechtsextremen Bundespartei über Unwohlsein geklagt hatte. Die Ärzte diagnostizierten den Schlaganfall; Rieger kam in eine Spezialklinik und lag im Koma.

Der Hamburger Rechtsanwalt war Vizevorsitzender der NPD im Bund, seit er 2008 in einer handstreichartigen und von manchen Rechtsextremen manipuliert gehaltenen Vorstandswahl den altgedienten Multifunktionär Peter Marx aus diesem Amt verdrängt hatte. Rieger wurde mehrfach nachgesagt, er wolle den wegen der maroden Parteifinanzen und der Misserfolge in den West-Bundesländern angeschlagenen Bundeschef Udo Voigt beerben.

In rechtsextremen Internetforen herrscht seit Tagen eine Aufregung, die sich, wie bei den braunen Kameraden üblich, in Aggressivität Luft macht. Journalisten, die über Riegers Krankheit berichteten, wurden beschimpft und bedroht. Wenig Freunde machte sich auch der Autor folgenden Eintrags: "Falls er den Schlaganfall überleben sollte, ist ihm nur zu wünschen, dass seine Familie seine Einstellung über Behinderte nicht teilt."

Wie sehr Riegers Angehörige dessen politische Ansichten teilen, dürfte auch die NPD-Spitze interessieren. Der Anwalt und Immobilienspekulant hatte der notorisch klammen Partei mehr als einmal mit Geld aus der Patsche geholfen. Die Hälfte des Erbes geht als Pflichtanteil an die Kinder. Aber wer erbt den Rest?