Der Politiker Heiko Maas wird wohl als eine tragische Gestalt in die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie eingehen. Die Macht schien für ihn zum Greifen nahe, zumindest innerlich hatte er sich schon im Amt des saarländischen Ministerpräsidenten eingerichtet. Auch in der SPD wollte er zukünftig stärker mitmischen, seine Erfahrungen des rot-rot-grünen Referenzprojektes in die bundespolitische Debatte einbringen. Doch seit Montag sieht der 43-jährige ehemalige Hoffnungsträger plötzlich ziemlich alt aus.

Vom Ende her betrachtet, ist es zumindest aus sozialdemokratischer Sicht müßig, darüber nachzudenken, wer an dem Scheitern der rot-rot-grünen Pläne in Saarbrücken größere Schuld trägt: Der undurchschaubare grüne Landesfürst Hubert Ulrich oder der selbstherrliche und selbstverliebte Linkenchef Oskar Lafontaine?

Für die Sozialdemokraten bleibt die bittere, aber wenig überraschende Erfahrung, wie eng bei dem Versuch, mit der Linkspartei und den Grünen eine neue Machtperspektive zu entwickeln, Chance und Illusion beieinander liegen. Sie hat diese Woche gelernt, dass der Weg noch weit ist, bis aus einer rechnerischen linken Mehrheit eine politische wird. Dass es lange dauern wird, bis nicht mehr Misstrauen, Skepsis und persönliche Animositäten die Zusammenarbeit prägen, sondern der Wille gemeinsam Politik zu gestalten. Dass sie viele politische Untiefen und Gefahren noch umschiffen muss, bis sie wieder eine Machtperspektive jenseits der Großen Koalition besitzt.

Dass das Saarland kein Sonderfall ist, zeigen die Ereignisse in Thüringen. Dort waren sich die drei Parteien inhaltlich weitgehend einig. Bei etwas gutem Willen hätten SPD, Linke und Grüne dort zusammenfinden können. Nur genau daran hat es den beteiligten Politikern gefehlt. Die Chemie zwischen ihnen hat nicht gestimmt und auch die Frage, welcher Partei in einem solchen Bündnis der politische Führungsanspruch zufällt, war bis zum Schluss ungeklärt. Die Linkspartei war zwar bereit, das aufgrund der Mehrheitsverhältnisse eigentlich ihr zustehende Ministerpräsidentenamt der SPD zu überlassen. Aber sie war nicht bereit, sich mit der Rolle des Kellners in einem solchen Bündnis zufrieden zu geben.

Saarland und Thüringen machen deutlich, für die SPD können vor allem zwei Entwicklungen gefährlich werden und ihre strukturelle Mehrheitsfähigkeit grundsätzlich gefährden.

Die Grünen drängen, erstens, unübersehbar ins bürgerliche Lager. Seit rot-grüne Mehrheiten aufgrund der Schwäche der SPD in weite Ferne gerückt sind, suchen sie im bürgerlichen Lager neue Bündnismöglichkeiten und neue Wege an die Macht. Schwarz-Grün in Hamburg war ein Anfang, Jamaika im Saarland ist die konsequente Fortsetzung dieser Suche. Der Prozess der grünen Verbürgerlichung wird auch von Wählern der Partei befördert. Denn seit die Linkspartei Wahlerfolge feiert, machen die Grünen die Erfahrung, dass sie linke Wähler verlieren und bürgerliche Wähler hinzugewinnen.

Wenn die SPD also nicht aufpasst, dann stehen die Grünen für eine Mehrheitsbildung im linken Lager nicht mehr oder nur noch bedingt zur Verfügung. Es ist mitnichten so, dass die Grünen, nur weil jetzt im Bund ein schwarz-gelbes Bündnis regiert, ihr Heil zukünftig wieder ausschließlich an der Seite der SPD suchen werden. So schnell kehrt die Lagerlogik nicht in die Politik zurück.