Hilf- und machtlos blickte der saarländische SPD-Chef Heiko Maas gestern nach Saarlouis, wo die Grünen sich nach wochenlangen Debatten dafür entschieden, die nächsten fünf Jahre mit CDU und FDP zu koalieren. Das Wagnis, mit CDU und FDP eine bislang unerprobte Jamaikakoalition einzugehen, war ihnen lieber, als mit SPD und Linkspartei zu regieren. Die Begründung: Man traue der Linken und ihrer wankelmütigen Führungsfigur Lafontaine nicht über den Weg.  

Maas war also nicht Schuld. Im Gegenteil. Hubert Ulrich, Chef der Saar-Grünen, betonte, wie Leid ihm die Entscheidung für seinen langjährigen Vertrauten "Heiko" täte, mit dem er gern zusammengegangen wäre. Gäbe es Lafontaine nicht, Maas wäre längst Ministerpräsident, so die Botschaft von Saarlouis von gestern.

Für die SPD, derzeit ohnehin nicht auf der Siegerstraße, ist das bitter. Spätestens seit diesem Wochenende muss ihr dämmern, dass die Machtoption, mit der sie während der Großen Koalition perspektivisch geliebäugelt hat, gar nicht besteht, jedenfalls nicht automatisch. Vier Jahre lang kokettierten die Genossen damit, eine linke Mehrheit in der Hinterhand zu haben. Und nun, wo man diese erstmals, entbunden von der Großen Koalition, auf Landesebene probieren könnte, merken diese Öko-Brüder plötzlich, dass sie sich eigentlich auch in einer bürgerlichen Allianz ganz wohl fühlen.

Ist das linke Lager also de facto nicht koalitionsfähig? Gibt es gar am Ende dieses linke Lager nicht? Sind die Grünen wirklich verkappte Bürgerliche, wie es die Soziologen ja schon so lange schreiben – und somit Gegner der Sozialdemokratie? Das sind  die Fragen, die die Genossen nun umtreiben.

Noch hofft man, dass die Grünen ihren Fehler von selbst erkennen, deshalb schweigen die Saar-SPDler wie frisch verlassene Liebhaber, die ein einmaliges Fremdgehen sogar verzeihen würden, wenn der Wunschpartner bloß bald zurückkäme. Deshalb griff auch Andrea Nahles, die neue starke Frau der SPD, nicht die Grünen an, die ja immerhin ausgeschert sind, sondern Oskar Lafontaine. Sie nannte den Linken-Chef einen "Steigbügelhalter" der CDU. Weil dieser die Grünen vergrault habe.

Wenn die SPD aber ehrlich ist, muss sie Verständnis für die Entscheidung der Saar-Grünen aufbringen. In Thüringen entschied sich ihr Landeschef Christoph Matschie ebenfalls gegen die Option, mit Linken und Grünen zusammenzugehen. Statt einer "linken Regierung" strebt er eine Koalition mit der CDU an. Die Begründung ist fast identisch mit der der Grünen im Saarland: Er traut einer einzelnen Person, in diesem Fall Bodo Ramelow von der Linken, nicht über dem Weg.  

Was sind das für Argumente, fragen nun viele enttäuschte Wähler im Saarland und in Thüringen? Sind wir im Kindergarten oder im Landtag? Weil man die Ramelows und Lafontaines nicht mag, verbaut man sich die Möglichkeit zum Politikwechsel? Diese Argumentation klingt unangemessen persönlich und trivial angesichts der Möglichkeit zum Macht- und Politikwechsel, sagen die Kritiker.