Als die künftigen Regierungspartner am Montagnachmittag vor der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Berlin einer nach dem anderen ihren schwarzen Limousinen entsteigen, sind sie sichtlich um gute Laune bemüht. "Sehr zuversichtlich sei er", sagt zum Beispiel der Fraktionschef der Union, Volker Kauder, als er an den zahlreichen Kamerateams vorbeischreitet. "Ich bin gut gelaunt", verkündet auch der Hausherr, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. "Wir werden gut debattieren und gut verhandeln", verspricht CSU-Wirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg.

Eine Woche und einen Tag ist es jetzt her, dass FDP und Union die Bundestagswahl gewonnen haben. An diesem Nachmittag soll das schwarz-gelbe Projekt, das beide Parteien eigentlich schon vor fünf Jahren aus der Taufe heben wollten, endlich konkret werden. Die wichtigsten Vertreter der künftigen Regierungspartner, 27 an der Zahl, sind zusammengekommen, um mit den Koalitionsverhandlungen zu beginnen.

Und doch ist von Überschwang und Siegestaumel an diesem sonnigen Herbsttag eher wenig zu spüren. Zu deutlich ist in der vergangenen Woche bereits geworden, wie groß die Differenzen sind, die Schwarz-Gelb trennen. Statt Vorfreude gab es den ersten Streit: An ihrer Linie wolle sie im Großen und Ganzen nichts ändern, kündigte CDU-Chefin Angela Merkel unmittelbar nach der Wahl an. Einen Kurswechsel forderten dagegen FDP-Vertreter ein.

Vielleicht auch deshalb versprechen sich die Hauptprotagonisten des neuen Bündnisses vor Verhandlungsbeginn vor allem eines: Fairness. Sie wolle eine gute Partnerschaft, sagt Merkel, die für diese ersten Gespräche ein grünes Jackett gewählt hat. Und wenn es stimmt, dass die Kanzlerin ihre Kleidung nie ohne Bedacht aussucht, kann man darin vielleicht ein Friedenssignal sehen.

Ihr FDP-Counterpart Guido Westerwelle verspricht, die Gegensätze würden zu überbrücken sein. CSU-Chef Horst Seehofer, der sich im Wahlkampf noch scharf gegen die FDP abgegrenzt hatte, trägt heute eine schwarz-gelb schimmernde Krawatte und erinnert daran, dass er immerhin schon 17 Jahre Koalition mit den Liberalen hinter sich habe. Ob deshalb gleich Kauders Prophezeiung wahr werden wird ("Leichter als mit der SPD wird es auf jeden Fall"), ist längst nicht ausgemacht.

Tatsächlich geht es bei diesem allerersten Treffen vor allem um Atmosphäre und technische Details. Als die Generalsekretäre nach den ersten dreieinhalb Stunden vor die Presse treten, haben sie deswegen auch kaum etwas anderes mitzuteilen, als dass die Stimmung besser nicht sein könnte. Es gebe "eine große Freude auf die neue Koalition", sagt für die Union Ronald Pofalla. "Sehr offen und kollegial sei das Klima", berichtet sein Kollege Dirk Niebel.

Zumindest das Reglement der ersten Sitzung ist zudem tatsächlich an Partnerschaftlichkeit orientiert. Auf einen Vorsitz wurde verzichtet. Alle dürfen reden – und machen nach Angaben aus Teilnehmerkreisen davon auch reichlich Gebrauch. Auch die Tischordnung ist gleichberechtigt. Die Koalitionäre sitzen im Rechteck nebeneinander. Nur bei den Eingangsstatements herrschte dann doch ein wenig Hierarchie. Hier entschied die Größe der Parteien darüber, wer das erste Wort hatte.

Zunächst haben die künftigen Koalitionäre sich auf einen Fahrplan für die Verhandlungen geeinigt. Bis zum 18. Oktober wird sich das Gremium fünf Mal treffen. Schon am Dienstag sollen außerdem die zehn Arbeitsgruppen, die die fachliche Vorarbeit für die politische Beschlussfassung leisten werden, ihre Beratungen beginnen.