Der Koalitionsvertrag von CDU und SPD in Thüringen ist von der neuen CDU-Vorsitzenden Christine Lieberknecht und SPD-Chef Christoph Matschie in Erfurt unterschrieben worden. "Wir wollen Verantwortung teilen und gemeinsam mehr bewegen", sagte Lieberknecht. Die 51 Jahre alte Pfarrerin soll am Freitag und damit zwei Monate nach der Landtagswahl zur ersten CDU-Ministerpräsidentin in Deutschland gewählt werden.

Lieberknecht sprach von einem "belastbaren Grundvertrauen", das die Koalitionspartner in Thüringen verbindet. Auch Matschie, der Vize-Regierungschef ist und voraussichtlich Kultusminister wird, äußerte sich positiv über den Vertrag. "Es geht nicht um den kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern um den größten Gewinn für Thüringen."

Matschie und der Landesvorstand waren mit ihrer Entscheidung, Koalitionsverhandlungen mit der CDU und nicht mit der Linkspartei sowie den Grünen aufzunehmen, in Teilen der Partei auf scharfe Kritik gestoßen. Viele SPD-Anhänger sahen darin eine Abkehr vom Wahlziel, die CDU abzuwählen.

Am vergangenen Sonntag aber hatten die Parteitage von CDU und SPD dem 64-seitigen Koalitionsvertrag dennoch zugestimmt. Bei der SPD, die auch die Möglichkeit von Rot-Rot-Grün ausgelotet hatte, gab es trotz Kritik 75 Prozent Zustimmung.

Schwarz-Rot hat 48 der 88 Sitze im Landtag. Das Kabinett, in dem die SPD vier der acht Fachminister stellt, wird am 4. November vereidigt.