Nein, Guido Westerwelle macht am Donnerstagmorgen keinen Hehl daraus, dass ihn die neue Situation mit großer Genugtuung erfüllt. Zufrieden blickt er über die Journalisten, die dicht gedrängt vor ihm in dem kleinen Saal im Berliner Thomas-Dehler-Haus, der FDP-Parteizentrale, sitzen. "Sie kommen hierher in großer Zahl", sagt er stolz, macht eine lange Pause und nickt nachdrücklich während er seinen Blick durch den Raum schweifen lässt.

Tatsächlich ist die Enge im Raum für Westerwelle ein anschaulicher Beweis dafür, wie sehr sich sein Leben seit Sonntagabend verändert hatte. Acht Jahre lange hat er als Oppositionsführer um Aufmerksamkeit kämpfen müssen. Nun kommen die Medien von ganz alleine.

Dabei möchte er gerade heute eigentlich gar nicht viel sagen. Als Oppositionsführer war Westerwelle ein Mann der markigen Sprüche. Jetzt, wo er möglicherweise bald in der Regierung sitzen werde, werde er seine Worte "noch genauer wägen" müssen, kündigt er an. Und stellt dies dann ausgiebig unter Beweis.

Gerade hat das Präsidium der FDP getagt, um seine Grundlinien für die ab Montag beginnenden Koalitionsverhandlungen abzustecken. Westerwelle lässt sich davon immerhin so viel entlocken: Das gesamte FDP-Präsidium wird an den Verhandlungen teilnehmen. Kompass der Liberalen werde dabei das Wahlprogramm der FDP sein. Dass von Unionsseite bereits bestimmte Themen für nicht verhandelbar erklärt wurden, will der FDP-Chef nicht akzeptieren. Das komplette Programm beider Parteien müsse zur Debatte stehen, verlangt er.

Deutlicher will Westerwelle dann aber partout nicht werden. Was verlangen die Liberalen in der Steuerpolitik, welche Änderungen wollen sie am Gesundheitssystem durchsetzen? Sind sie für einen Neuzuschnitt bestimmter Ministerien?

"Fragen beantwortet man, wenn sie sich stellen", sagt der Vizekanzler in spe zu den Journalisten. Gleichwohl macht Westerwelle deutlich, dass die Verhandlungen hart werden könnten. Denn auch wenn er zu keiner Frage wirklich Stellung nimmt, so hat er bisher eben auch nichts zurückgenommen. Stattdessen verweist er auf seine früheren Äußerungen.