Der erste Mauerstein aus Styropor neigte sich langsam zur Seite, fiel, lehnte sich an den nächsten Stein und setzte die Kettenreaktion in Gang: Block für Block sackte die symbolische Mauer im Herzen Berlins zusammen.

Der frühere polnische Präsident und Gewerkschaftsführer Lech Walesa und der ehemalige ungarische Premier Miklos Nemeth hatten jeweils einen der 2,5 Meter hohen Mauersteine angestoßen.

Mehr als 100.000 Berliner und Gäste aus der ganzen Welt bejubelten beim "Fest der Freiheit" in Berlin den Fall der 1000 Styroporstücke, die den Verlauf der Mauer auf 1,5 Kilometer nach bildeten.

Walesa und Nemeth hatten 1989 mit dem Kampf für Demokratie in ihren Ländern zum Ende der Diktatur in Osteuropa beigetragen und damit das Wunder jener Novembernacht mit ermöglicht. Sie verglichen den Fall der Dominosteine mit der Entwicklung 1989. Nach und nach hatten sich immer mehr Länder die Freiheit vom Kommunismus erkämpft. Am Ende dieser Kettenreaktion habe das Ende der Berliner Mauer gestanden, sagte Nemeth.

Ein weiterer Staatsmann, der am Montag in Berlin in den meisten Reden vorkam, war Michail Gorbatschow. Der frühere sowjetische Staatschef, der vor 20 Jahren im Kreml regierte und den Wandel auf den Weg brachte, schaute den stürzenden Dominosteinen ebenso zu wie ehemalige DDR-Bürgerrechtler, Politiker der Wendezeit und 30 aktuelle Staats- und Regierungschefs.

Einen Feiertag, nicht nur für die Deutschen, einen Feiertag für ganz Europa, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren prominenten Gästen aus der ganzen Welt für den Abend am Brandenburger Tor versprochen. Das "Fest der Freiheit" war dann auch viel weniger steif als so mancher anderer Staatsakt zum Fall der Mauer in den vergangenen Tagen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit dankte den Vertretern der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, die die Wiedervereinigung der einst geteilten Stadt ermöglicht hätten. Er erinnerte zudem an die Opfer der DDR-Diktatur und an die an der Grenze erschossenen Flüchtlinge. "Bis vor 20 Jahren war dies ein Ort des Schreckens", sagte Wowereit auf dem Pariser Platz vor dem bunt beleuchteten Brandenburger Tor.

Die Präsidenten Frankreichs und Russlands, Nicolas Sarkozy und Dmitrij Medwedjew, die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton und der britische Premier Gordon Brown hoben den Mut der Ostdeutschen hervor, die mit ihren Demonstrationen das Ende der DDR ertrotzten. "Das war ein Tag, als die Welt nach Berlin schaute", sagte Sarkozy über den 9. November. "Wir sind Brüder, wird sind Berliner", fügte er auf Deutsch hinzu.

US-Präsident Barack Obama bedauerte in einer Videobotschaft, nicht persönlich bei der Feier dabei sein zu können. Er rief dazu auf, den Geist vom 9. November 1989 wach zu halten: "Lassen Sie uns das Licht der Freiheit auch in den dunkelsten Nächten der Tyrannei aufrecht erhalten. Glauben wir an die Freiheit."