Viele Redner verwiesen auf die emotionalen Bilder aus Berlin, die am 9. November 1989 um den Globus gingen, als sich fremde Menschen umarmten, gemeinsam sangen und tanzten – vor und auf der Mauer.

"Für mich war es einer der glücklichsten Momente meines Lebens", sagte auch Angela Merkel. Sie sprach von der epochalen Wende, die der Mauerfall ausgelöst habe. "Endlich war das Ende des Kalten Krieges gekommen", sagte die Kanzlerin und mahnte: "Freiheit entsteht nicht von selbst. Freiheit muss erkämpft werden."

Nach den Reden übernahm der Moderator Thomas Gottschalk die Bühne vor dem Brandenburger Tor. Er befragte Zeitzeugen, die von ihrer überschäumenden Freude am 9. November 1989 erzählten. 20 Jahre später verlief die Feier deutlich kontrollierter ab. Auf den abgesperrten Straßen um das Festgelände herum verkauften Händler heißen Punsch und gebratene Würstchen. Touristen aus unzähligen Ländern verzweifelten an den zahlreichen Straßensperren und Sicherheitszonen.

Die Berliner Polizei hatte die Innenstadt weiträumig abgesperrt. Vom Potsdamer Platz bis zum Reichstagsufer drängten sich trotz Regens Tausende Schaulustige. Regenschirm reihte sich an Regenschirm, zu sehen war für die meisten Menschen wenig. Unmut kam auf, als die Polizei das Gebiet um das Brandenburger Tor ganz abriegelte und niemanden mehr durch ließ. "Der Pariser Platz ist bereits ausgelastet", rief ein Beamter per Lautsprecher den Wartenden entgegen. "Es kann keiner mehr eingelassen werden." In der Menschenmenge skandierten daraufhin einige: "Wir sind das Volk". Die Sperren blieben dennoch bestehen.

Den Fall der Mauer-Dominosteine konnten dann aber die Schaulustigen außerhalb des Pariser Platzes viel besser verfolgen. Besonders dicht an den bunten Quadern stand Friedhelm Maria Leistner. Der Berliner Künstler hatte einen der Styroporblöcke mit einem Elefanten bemalt, der die Mauer einreißt. Leistner stand hinter der Absperrung direkt neben seinem Stein. "Genau hier am Potsdamer Platz habe ich vor 20 Jahren die Mauerspechte fotografiert", sagte er. Als die Mauer fiel, studierte er gerade Design und zeichnete einen Comic. Jetzt sollen die bemalten Kunststeine auf Reisen gehen. Leistner hofft, dass auch seiner im Ausland gezeigt wird.

Rund 100 der Dominosteine wurden in aller Welt bemalt. Einer davon wird sicherlich im Museum landen. Er wurde in Südafrika von Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela gestaltet. Für großes Interesse sorgten aber auch die Steine, die Menschen aus aktuell geteilten Staaten und Regionen verziert hatten: Palästinensische und israelische Jugendliche hatten Dominosteine bemalt, um an die Mauer zu erinnern, die das Westjordanland von Israel trennt. Auch Schüler aus dem geteilten Zypern und Künstler aus Korea mahnten in Berlin ein Ende der Trennung in ihren Staaten an. Berlin wurde am 9. November 1989 zum Symbol für die Freiheit. 20 Jahre später richtete die vereinte Stadt eine Botschaft an die Welt, was möglich ist, auch wenn es unmöglich erscheint.