43 Jahre alt ist Stefan Mappus, und in diesem vergleichsweise jungen Alter hat es der bisherige CDU-Fraktionschef im Stuttgarter Landtag geschafft, sich nicht nur ohne große Diskussion die Nachfolge des nach Brüssel wechselnden Regierungschefs und CDU-Landesvorsitzenden Günther Oettinger zu sichern. Er verkörpert auch gleich in mehrfacher Hinsicht die Hoffnungen vieler in der Landespartei und darüber hinaus.

Am Abend wählte ein Landesparteitag Mappus offiziell zum Landeschef und gleich auch zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2011. Von 376 Delegierten stimmten 338 für ihn – er war der einzige Kandidat.

Im Vorfeld hat sich der studierte Diplomökonom bemüht, sein Image ein wendig zu wandeln. Bislang machte er sich, in klarer Abgrenzung vom eher modern und liberal auftretenden Oettinger, einen Namen als einer, der gerne kämpferisch, bissig, polarisierend aus den Tiefen des politischen Raums agiert und für die konservativen Werte seiner Partei eintritt. Ein "Beißkopf" sei er, lästerten seine Gegner. Seit aber Ende Oktober überraschend bekannt wurde, dass Oettinger neuer EU-Kommissar in Brüssel wird und er zum Nachfolger erkoren wurde, wandelte er sich vom innerparteilichen Oppositionsführer urplötzlich zum Staatsmann. Neuerdings gibt er sich verbindlich im Ton, milder in seinen Formulierungen, und er vermeidet entgegen seinen Gewohnheiten jede ironische oder nachtragende Bemerkung über seinen Kontrahenten und baldigen Vorgänger.

Doch in der Südwest-CDU, die zuletzt mit ihrem Vorsitzenden und Regierungschef nicht immer allzu glücklich war, setzt man große Erwartungen in ihn. Er soll als Landesfürst in Berlin den Respekt und den Einfluss zurückgewinnen, den Oettinger durch eine Reihe von Fehlern verspielt hat, von denen die völlig deplatzierte Rehabilitierung des verstorbenen NS-Marinerichters Hans Filbinger als Gegner des Naziregimes wohl der größte war.

Ohnehin hat man in der baden-württembergischen CDU, immerhin der neben Nordrhein-Westfalen mächtigste Landesverband der Partei, seit dem Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin die Sorge, in der Bundespolitik kaum noch wahrgenommen zu werden. Außer Wolfgang Schäuble und – mit Abstrichen – Volker Kauder habe dort niemand mehr wirklichen Einfluss, eben auch Oettinger nicht, lautet die weitverbreitete Kritik.

Mit Mappus, in Pforzheim geboren und seit 13 Jahre als Landtagsabgeordneter, Umwelt- und Verkehrsminister und jetzt Fraktionschef in der Landespolitik aktiv, soll das nun anders werden. Auch sonst entspricht er in vielem weit eher dem Bild eines schwäbischen Regenten, wie ihn sich die Mehrheit in dem noch immer konservativen Landesverband wünscht. Wirkte der Schnellredner und eher intellektuelle Oettinger für nicht wenige Christdemokraten zu abgehoben, steht Mappus für Grundsätze, nach denen sich viele Mitglieder sehnen. Er umwirbt die "heimatverbundenen Patrioten, überzeugten Christen und wertbewussten Konservativen". Er übernahm von Franz Josef Strauß den Slogan: "Rechts von der Union darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben", was ihm bei der Opposition den Vorwurf einbrachte, er bediene den rechten Rand. Ebenso wie seine Polemik gegen die Schwulen-Paraden am Christoph-Street-Day, die er vor Jahren "abstoßend" nannte.

Während Oettinger immer wieder mit den Grünen flirtete, nach der Wahl 2006 sogar eine mögliche Koalition auslotete, hält sein designierter Nachfolger von solchen Gedankenspielen überhaupt nichts. Er setzt klar weiter auf ein Bündnis mit der FDP.