Das Bemerkenswerte an der Causa Jung-Schneiderhan-Wichert ist das Tempo der Demission. Affären und Skandale sind so alt wie die Bundeswehr. Mal wurden unbotmäßige Generäle gefeuert, sehr oft mussten Verteidigungsminister gehen. Der jüngste, Karl-Theodor zu Guttenberg, hat aber in dieser Woche mit rascher Hand und kaltem Blick seine Gesellenprüfung bravourös
bestanden.

Theodor Blank, der erste Verteidigungschef, gab nach nur 16 Monaten entnervt auf. Franz Josef Strauß stolperte über die Spiegel-Affäre. George Leber wurde eine Abhöraffäre zum Verhängnis. Manfred Wörner wäre fast an seinem Kampf gegen einen vermeintlich homosexuellen General zugrunde gegangen, der es gar nicht war und voll rehabilitiert wurde. Gehen mussten dafür ein Staatssekretär und der Chef der militärischen Aufklärung. Rupert Scholz schaffte nur ein paar Monate. Gerhard Stoltenberg wurden Panzer zum Verhängnis, die er illegal an die Türkei hatte liefern lassen. Rudolf Scharping wäre (im politischen Sinne) fast im Swimmingpool einer Freundin untergegangen; erwischt hat es ihn ein Jahr später wegen einer Honorar-Affäre.

Nur wenige - wie Helmut Schmidt und Volker Rühe - haben die "Hardthöhe" in den Griff bekommen. Die Suppe, welche die Generalität anrichtete, musste gemeinhin der Minister auslöffeln. Die zivile Vorherrschaft war das Prinzip, die Eigen-, manchmal auch Böswilligkeit, der Troupiers war die probate Praxis.

Guttenberg mag aus dieser Geschichte geschöpft haben, als er gemessen am üblichen bundesrepublikanischen Usus nachgerade mit Lichtgeschwindigkeit agierte. Sein Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan musste weg, dito der Staatssekretär Peter Wichert. Der Grund ist der älteste in der Demokratie: "Was haben sie gewusst, und wann?" Die Herren wussten mehr als sie über die zivilen Verluste beim Bombenangriff in Kundus zugegeben hatten. Sie hatten taktiert und wohl verschleiert.

Der damalige Verteidigungschef Franz-Josef Jung ist das dritte Opfer. Er hat zu früh so geredet, als sei die deutsche Kommando-Kette unschuldig am Tod der Zivilen. In seiner Rücktrittserklärung (als Arbeitsminister) heißt es: "Ich habe....über meinen Kenntnisstand korrekt unterrichtet." Er hätte besser gar nicht oder erst später reden sollen - oder seine Militärs früher und härter ins Verhör nehmen müssen.

Wie dem auch sei: Entlassungen und erzwungener Rücktritt in diesem Tempo sind neu für die Republik. Angela Merkel hat wieder ihren feinen Killer-Instinkt bewiesen, und ihr junger Minister auch. Die Truppe und Jungs Mäzen, Ministerpräsident Koch, werden es ihnen nicht danken. Merkel hat ihren gefährlichsten CDU-Rivalen Koch elegant geschwächt, und Guttenberg hat bewiesen, dass er den Stab für Höheres im Tornister hat. Nicht schlecht für zwei Tage Arbeit im verholzten Weinberg Berliner Politik.

Für die demokratische Entwicklung der Republik waren es auf jeden Fall gute Tage. Das Verantworungsprinzip wurde, wiewohl für manchen zu hastig und brutal, doppelt und dreifach unterstrichen. Und so muss es sein. Die Lehre für die Nachfolgenden besteht aus drei Teilen:

1. Der Minister kriegt sein Ressort in den Griff, oder er wird scheitern

2. Recherchieren kommt vor dementieren.

3. Was man weiß, lieber gleich sagen; es kommt doch an den Tag.

In diesem 60. Jahr der Staatsgründung darf die Republik zufrieden sein: Das Verantwortungsprinzip lebt und gedeiht; es verkommt nicht zu einem leeren Entschuldigungsritus.