Anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls spazierte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Nachmittag zusammen mit dem ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow über die Bösebrücke in Berlin, auch Bornholmer Brücke genannt, an der Bornholmer Straße in Berlin.

Im dichten Gedränge wurde sie bei dem symbolischen Spaziergang auch vom früheren polnischen Gewerkschafter und Staatspräsidenten Lech Walesa, Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern begleitet. Der Kontrollpunkt an der Bornholmer Straße war am Abend des 9. November 1989 der erste, über den die Menschen in den Westen stürmten.

Auch der langjährige Beauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, seine Nachfolgerin Marianne Birthler, die Sänger Wolf Biermann und Stephan Krawczyk und die früheren Pfarrer Reinhard Eppelmann und Markus Meckel waren an den symbolträchtigen Ort gekommen. Über die Brücke ging Merkel auch in der Nacht des 9. Novembers 1989 von Ost- nach West-Berlin.

Bundespräsident Horst Köhler bezeichnete in einer Rede änlässlich der Feierlichke den Mauer-Fall als "eine Epochenwende zu Freiheit und Demokratie". Bei einem Staatsempfang in Schloss Bellevue sagte er: "Die Mauer war ein Bauwerk der Furcht. Am 9. November vor 20 Jahren wurde sie zu einem Ort der Freude." Der auf den Mauerfall folgende Wandel habe "das Gesicht unseres Kontinents und das Leben von Millionen von Europäern grundlegend verändert".

Zuvor hatte Köhler auch an die Pogromnacht von 1938 erinnert. "Der 9. November 1938 und der 9. November 1989 sind miteinander verbunden." Köhler würdigte den 9. November 1989 als einen "Tag der Freude". Die Teilung habe auch deshalb überwunden werden können, "weil wir Deutsche die nötigen Lehren aus unserer Geschichte zwischen 1933 und 1945 gezogen haben". Darum habe die Welt Deutschland 1989 vertraut.

Auf einer Konferenz zu den internationalen Folgen des Falls der Mauer sagte Merkel früher am Tag: "Diese Welt wird keine friedliche Welt sein, wenn wir nicht zu mehr globaler Ordnung und zu mehr multilateraler Zusammenarbeit finden", sagte Merkel auf der Konferenz. Dies sei eine der Lehren aus dem Ende des Kalten Krieges und der in Ost und West aufgeteilten bipolaren Welt. Es stelle sich die Frage, ob die Nationalstaaten Kompetenzen an multinationale Organisationen abgeben müssten.

Die Europäische Union sei ein Beispiel für eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit, sagte Merkel. "Unserem amerikanischen Partner fällt es natürlich sehr viel schwerer, einfach mal ein paar Kompetenzen an den IWF oder welche internationale Organisation auch immer abzugeben." Die USA seien noch nicht geübt darin, sich Mehrheitsentscheidungen der internationalen Gemeinschaft zu beugen, sagte sie mit Blick auf die UN.

Die anstehende Weltklimakonferenz in Kopenhagen wird nach den Worten der Kanzlerin eine Probe für die Bereitschaft sein, sich zur Lösung globaler Probleme zu verpflichten. "Deshalb kommt der Konferenz in Kopenhagen in wenigen Wochen eine große Bedeutung zu." Sie rechne jedoch nicht mit einem Durchbruch. Globale Fragen wie den Kampf gegen die Erderwärmung könnten auch nicht die USA und Europa alleine lösen: "Wir brauchen China, wir brauchen Indien, wir brauchen die Schwellenländern."

"Die spannendste Frage, um Mauern zu überwinden, wird sein: Sind die Nationalstaaten bereit und fähig, Kompetenzen an multilaterale Organisationen abzugeben - koste es, was es wolle", sagte Merkel.