"Zusammenrücken, kämpfen und gemeinsam nach vorne" müsse das Motto sein, sagte Andrea Nahles nach einer Veranstaltung in Kiel. Die künftige SPD-Generalsekretärin warb auf dem Treffen mit 250 Vertretern der Parteibasis aus Schleswig-Holstein am Mittwochabend um einen Vertrauensvorschuss für die neue Parteiführung.

Gut sechs Wochen nach der schweren Niederlage bei der Bundes- und Landtagswahl diskutierte sie fast drei Stunden lang mit der Nord-SPD parteiintern kritisch über Ursachen und Konsequenzen. Bei den Veranstaltungen habe es sehr viel Kritik an der Vergangenheit gegeben, am Ende aber auch immer Hoffnung auf Besserung, sagte Nahles. "Das ist sehr ermutigend." Es sei aber auch das Gefühl vieler Mitglieder deutlich geworden, dass sich die SPD in den vergangenen Jahren nicht genug um die realen Probleme von Menschen gekümmert habe.

Von der Bundesebene müsse künftig mehr Rückenwind in den Ländern ankommen und nicht Gegenwind wie bei der letzten Wahl. "Die Bundesebene hat den Ländern in den letzten Jahren oft Wahlen verhagelt", sagte Nahles und zog ein positives Fazit. Nach ihrem Eindruck knüpfe die Parteibasis Hoffnungen an die neue Führung. Sie gehe davon aus, dass sie das Vertrauen bei dem Bundesparteitag an diesem Wochenende bekomme werde.

Der künftige Parteichef Sigmar Gabriel hatte seine Teilnahme in Kiel wegen einer Erkrankung kurzfristig abgesagt.

In Dresden will die SPD ein neues Führungsteam wählen und ihre Strategie als Oppositionspartei festzurren. Am Freitag soll der frühere Umweltminister Sigmar Gabriel zum Nachfolger von Müntefering bestimmt werden. Andrea Nahles soll neue SPD-Generalsekretärin werden. Angesichts der Ausgangslage fände Nahles es nicht schlimm, wenn die neue Führung nicht gleich Bombenergebnisse bekommen sollte, sagte Nahles.

"Es gibt eine Menge Willen, die SPD wieder voranzubringen", resümierte der Kieler Landesvorsitzende und Fraktionschef Ralf Stegner. Der Wunsch nach Diskussionen von unten nach oben sei fast noch größer als der Wunsch nach Kurskorrekturen. Stegner sagte der neuen Parteiführung die Unterstützung der Nord-SPD zu.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, erwartet auf dem Parteitag der Sozialdemokraten keine Generalabrechnung des ausscheidenden Parteivorsitzenden Franz Müntefering und warnte davor, nur über die Fehler zu sprechen, die vor fünf oder zehn Jahren gemacht wurden. "Was wir jetzt brauchen, ist eine präzise Analyse des Vertrauensverlustes", sagte er weiter. Oppermann sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: "Es wird eine offene, aber mit Sicherheit faire Debatte geben." Am Ende werde vom Parteitag ein Aufbruchssignal ausgehen.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier forderte kurz vor dem Parteitag von der schwarz-gelben Regierung eine Überprüfung der Rente mit 67. "Wir haben das Gesetz in unserer Regierungszeit gemacht und die Überprüfungsklausel ist Teil des Gesetzes. Schon deshalb werden wir sie ernst nehmen", sagte Steinmeier der Berliner Zeitung. Die Rente mit 67 gilt als einer der Gründe für das Desaster der SPD bei der Bundestagswahl, nach der sie aus der großen Koalition in die Opposition wechseln musste. In zahlreichen Parteitagsanträgen wird eine Abschaffung der Rente mit 67 verlangt. Steinmeier erwartet jedoch nicht, dass sich diese Radikalposition durchsetzen wird. Nach der Überprüfungsklausel im Rentengesetz muss die schwarz-gelbe Bundesregierung im Jahr 2010 einen Bericht über die Lage älterer Beschäftigter auf dem Arbeitsmarkt vorlegen.