Rieger rechnete in der Auseinandersetzung mit seinem Intimfeind Pastörs vor, dass er dem Landesverband Mecklenburg-Vorpommern im Wahlkampf 2006 die fristgerechte Rückzahlung eines Kredites von 295.000 Euro größtenteils erlassen habe." Auch seinem eigenen Hamburger Landesverband habe er ein sechsstelliges Darlehen gewährt. Den Rechten in Niedersachen griff er nach eigenen Angaben mit 50.000 Euro unter die Arme. Wie viel er dem Bundesverband für den Wahlkampf 2009 stiftete, ist unbekannt.

Rieger hat sein Vermögen offenbar komplett seiner Familie vererbt, die nichts mit der rechtsextremen Szene zu tun hat. Dass er die NPD nicht bedacht hat, ist nur auf den ersten Blick überraschend: Zwar war der Anwalt schon seit den späten sechziger Jahren am rechten Rand aktiv, trat der NPD aber erst 2006 bei. Von vielen Parteifunktionären hielt er überhaupt nichts und hätte sein Geld wohl eher einem Tierschutzverein vermacht als Pastörs oder Holger Apfel, dem sächsischen NPD-Chef, dem ebenfalls nachgesagt wird, Voigt beerben zu wollen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen die Wirtschaftsprüfer Werner Linn und Eberhard Müller, die an den Rechenschaftsberichten der NPD beteiligt waren. Müller starb im Mai. Er hielt beträchtliche Anteile an der parteinahen Deutsche Stimme Verlags-GmbH als Treuhänder für Besitzer, deren Namen angeblich nur er kannte, wie die Verlagsleitung dem Spiegel sagte. Die NPD weist in ihren Rechenschaftsberichten keinerlei Unternehmensbeteiligungen aus, auch nicht am Verlag der Deutschen Stimme, als deren Herausgeber der NPD-Bundesvorstand fungiert.

Die Bundestagsverwaltung äußert sich nicht zu drohenden Strafen wegen falscher Angaben in Rechenschaftsberichten. Das Parteiengesetz legt aber fest, dass eine Partei die doppelte Höhe des falschen Betrages als Strafzahlung entrichten muss – im Fall der neuen Vorwürfe wären das gut 1,7 Millionen Euro. Außerdem muss die Partei die Zuschüsse zurückzahlen, die sie aufgrund der falschen Angaben erhalten hat.

Es wäre nicht die erste Strafzahlung, die der NPD auferlegt wird. Für die Jahre 1998 bis 2000 musste sie insgesamt 870.000 Euro entrichten, weil der Landesverband Thüringen Spenden bescheinigt hatte, die es gar nicht gab. Und im April 2009 hatte die Bundestagsverwaltung wegen eines fehlerhaften Rechenschaftsberichts für 2007 eine Strafzahlung in Höhe von 2,5 Millionen Euro festgelegt. Die Forderung wurde im Mai vom Verwaltungsgericht Berlin auf 1,27 Millionen Euro reduziert. Ihren eigenen Rechenschaftsberichten zufolge verfügt die Partei nicht über diese Summe.

Die NPD bezeichnete die neuen Vorwürfe als "Interpretation" von "Skandaljournalisten". Schatzmeister Ulrich Eigenfeld bereitet die Rechtsextremen aber schon mal auf denkbare Notopfer vor: "In diesem Kampf brauchen wir die Unterstützung aller Freunde und Anhänger."