Lange Menschenschlangen hatten sich am Mittwoch, dem letzten Einschreibetag für das Volksbegehren für "echten Nichtraucherschutz", vor dem Münchner Rathaus gebildet. Damit bahnte sich im Freistaat bereits eine kleine Sensation an, die heute vom Bayerischen Landesamt für Statistik offiziell bestätigt wurde: Mehr als 1,2 Millionen Bürger haben gegen das von der Landesregierung aufgeweichte Rauchverbot votiert. Mit fast 14 Prozent wurde damit das nötige Quorum von zehn Prozent der Wahlberechtigten (940.000) deutlich übertroffen. Diese hohe Hürde wurde bislang auf Landesebene nur selten genommen.

Weil CSU und FDP, die Regierungsparteien im Maximilianeum, zuvor schon angekündigt hatten, den von der Ökologisch Demokratischen Partei (ÖDP) ausgearbeiteten Gesetzentwurf, mit dem das Rauchen in Gaststätten, Restaurants, Kneipen und auch Bierzelten wieder ausnahmslos verboten werden soll, im Landtag nicht mitzutragen, kommt es nächstes Jahr nun zum Volksentscheid. Dabei gilt dann die einfache Mehrheit der Stimmen. Und diese Hürde ist deutlich leichter zu meistern.

Die Opposition im bayerischen Landtag feiert das erfolgreiche Volksbegehren als "Watschn" (Ohrfeige) für die CSU. In der Tat wird die einstige Staatspartei, die seit der letzten Landtagswahl zusammen mit der FDP regiert, nicht umhinkönnen, das Ergebnis als erneute schwere Schlappe zu werten. War sie es doch, die noch zu Zeiten der Alleinherrschaft am 1. Januar 2008 zunächst das schärfste Gesetz zum Nichtraucherschutz in Deutschland in Kraft setzte. Um "schneidige Handlungsfähigkeit" zu beweisen, habe der damalige (und heutige) CSU-Fraktionsvorsitzende Georg Schmid dieses Gesetz durchgedrückt, sagt der CSU-Experte Heinrich Oberreuter im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Die einzige Ausnahme gab es für "geschlossene Gesellschaften".

Dieses Schlupfloch nutzten allerdings zahlreiche Wirte, die sich im "Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur" zusammengeschlossen hatten, um im ganzen Land Tausende von "Raucherklubs" zu gründen, in denen ohne Einschränkung gepafft werden konnte. Viele Raucher führten damals eine ganze Batterie von "Mitgliedsausweisen" für verschiedene Kneipen mit sich herum. Kontrolliert wurde freilich wenig, was eine Art rechtsfreien Raucher-Raum zur Folge hatte.

Bereits nach der Kommunalwahlschlappe der CSU im März 2008 kündigte der damalige Parteichef Erwin Huber eine Lockerung des Gesetzes an. Denn die angebliche Wut der Raucher im Lande wurde von den Parteistrategen als wichtiger Grund für die Stimmenverluste interpretiert. Aufgeweicht wurde das Gesetzt dann allerdings erst nach dem CSU-Debakel bei der Landtagswahl im Herbst 2008 – auf Forderung des neuen Koalitionspartners FDP.

Seither ist das Rauchen in entsprechend beschilderten Nebenräumen wieder erlaubt. "Getränkegeprägte Einraum-Gaststätten" mit einer "Gastfläche" von weniger als 75 Quadratmetern, so die sperrige Definition, dürfen sogar exklusiv als Rauchergaststätten geführt werden. Ausgenommen vom Qualmverbot sind auch die für die bayerische Seele so wichtigen Bierzelte. Damit, so hieß es aus dem bayerischen Gesundheitsministerium, würden Nichtraucherschutz und Rauchverbot "an die Lebenswirklichkeit angepasst". In der Praxis scheint allerdings oft der Zustand vor dem Rauchverbot wiederhergestellt zu sein.