Nach dem verhinderten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug gerät das Angebot der Duty-free-Shops in die Kritik. "Das Sortiment kann ein Sicherheitsrisiko darstellen", sagte der Sprecher der Piloten-Vereinigung Cockpit Jörg Handwerg dem Tagesspiegel. Während Passagieren bei der Kontrolle häufig harmlose Sachen abgenommen würden, könnten sie gleich dahinter oft brisante Dinge erwerben.

Handwerg sprach aus eigener Erfahrung: In London habe er seine Wasserflasche abgeben müssen. Doch gleich danach im Duty-free-Shop Rasierklingen kaufen können. "Damit kann man zwar kein Flugzeug sprengen", sagte er der Zeitung, "aber die Besatzung angreifen".

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert ein Verkaufsverbot für Parfüm, hochprozentigen Alkohol, Feuerzeuge und Rasierklingen im Abflugbereich aller Flughäfen der Europäischen Union. Ihr Vorsitzender Rainer Wendt kritisierte in der Neuen Osnabrücker Zeitung: "Jenseits der Sicherheitsschleusen bekommen mögliche Attentäter in Duty-free-Shops und Restaurants alles, was sie für den Bombenbau brauchen".

Dies bestätigte der Sicherheitsexperte Wolfgang Spyra. Dem Tagesspiegel sagte er, dass mit Hilfe des erlaubten Feuerzeugs und Haarspraydosen, Parfum oder hochprozentiger Spirituosen ein Brand an Bord verursacht werden kann. Es sei damit sogar möglich, ein explosives Gemisch herzustellen. Spyra sprach sich daher zwar nicht gegen die zollfreien Waren aus, forderte aber, diese den Passagieren erst nach der Landung auszuhändigen.

Ähnliche Forderungen erhebt Polizei-Gewerkschafter Wendt. Neben dem EU-weiten Verkaufsverbot für potenziell gefährliche Stoffe müsste es Restaurants untersagt werden, im Abflugbereich Metallbesteck an Fluggäste auszugeben. "Die Sicherheitsinteressen der Bürger müssen Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben", sagte er.

Ferner sprach Wendt sich für Ausweiskontrollen an den Sicherheitsschleusen der Flughäfen aus. "Heute können Kriminelle einfach die Bordkarte eines Dritten übernehmen, damit die Sicherheitskontrolle passieren und unerkannt die Maschine besteigen. Das ist ein riesiges Sicherheitsdefizit", warnte Wendt in der Neuen Presse.

Am vergangenen Freitag hatte ein 23-jähriger Nigerianer versucht, ein Flugzeug aus Amsterdam kurz vor der Landung in Detroit (USA) zum Absturz zu bringen. Der Vorfall hatte auch in Deutschland eine Diskussion über die Flugsicherheit ausgelöst.