Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bleibt bei seiner Darstellung, dass ihm für seine erste Bewertung des Luftangriffs in Kundus Informationen vorenthalten worden seien. Damit wies er Vorwürfe im Umgang mit dem entlassenen Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan von sich. 

Der CSU-Politiker berichtete vor dem Bundestag erneut von dem Rücktrittsschreiben des Generals, in dem Schneiderhan selbst die Verantwortung dafür übernommen habe, dass ihm, Guttenberg, Informationen nicht vorgelegt wurden. "Für die Trennung bedarf es keiner weiteren Gründe." Auf den entscheidenden Vorwurf der Lüge, den Schneiderhan in der ZEIT gegen Guttenberg erhoben hatte, ging der Minister nicht ein. Auf ein anderes Niveau der Debatte werde er sich nicht einlassen, sagte er lediglich. 

Guttenberg betonte in seiner wiederholt von Missfallensrufen unterbrochenen Rede, er habe mehrfach darauf hingewiesen, dass ihm Dokumente zu dem umstrittenen Luftangriff mit zivilen Toten vorenthalten worden seien. Als Minister wolle er jedoch selbst entscheiden, welche Unterlagen er einsehe – und nicht jemanden fragen müssen, ob er Einsicht in die Akten nehmen dürfe.

Der Verteidigungsminister bekräftigte, die Opposition sei spätestens Anfang November über all die Dinge informiert gewesen, die später in den Medien auftauchten und für Empörung sorgten. "Die Welle der Empörung dürfte sie selbst treffen", sagte er. So seien die Fraktionsvorsitzenden früh darüber informiert worden, dass das Ziel des Luftangriffs darin bestanden haben, nicht nur die zwei Lastwagen, sondern auch die dortigen Taliban zu treffen.

Einigen Abgeordneten fehle es zudem an "hohem Anstandsempfinden", sagte der CSU-Politiker weiter. Es sei an der Zeit, die Lage in Afghanistan anhand der Realitäten zu diskutieren. Die Opposition müsse sich davor hüten, die gebotene Aufklärung im Untersuchungsausschuss "nahe am Klamauk" zu führen. Wie könne man an einem solchen Tag "mit solchem Gebrüll" ankommen, wetterte Guttenberg. In Afghanistan sei ein Soldat schwer verletzt worden – und die Opposition bevorzuge "lediglich innenpolitische Gefechte". Wenn bei der Opposition nur "wüstes Geschrei" ausbreche, werde sie ihrer Verantwortung vor den Soldaten nicht gerecht.

Zuvor hatte Schneiderhan seinen früheren Dienstherrn der Lüge bezichtigt. Nachdem er Guttenberg den umfassenden Nato-Bericht vorgelegt habe, sei er schlicht nicht auf die Idee gekommen, ihm auch die einzelnen Ausgangsberichte zu präsentieren. Dafür habe er die Verantwortung übernommen. Er habe jedoch nicht mit Vorsatz gehandelt, auch wenn Guttenberg jetzt von unterschlagenen Dokumenten spreche. "Dass er vorschnell formuliert, ist bekannt", sagte Schneiderhan mit Blick auf den Minister. Dies sei jedoch noch eine Steigerung. "Das ist nicht nur unschön, das ist unwahr."

In der Aktuellen Stunde im Bundestag erneuerte die Opposition ihre scharfe Kritik an Guttenberg und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Mit jedem Tag werde die Liste der Ablenkungsmanöver länger, bemängelte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Guttenbergs Kehrtwende in der Bewertung des Luftangriffs lasse sich nicht durch die verspätet vorgelegten Berichte erklären, da die Dokumente nicht über den Nato-Bericht hinausgingen.

Steinmeier sagte, er vermute, Guttenberg habe am 6. November "der Truppe gefallen" wollen und sei deshalb über kritische Passagen in den vorliegenden Berichten hinweggegangen. Als Guttenberg der Wind "im Gesicht" gestanden habe, habe dieser "forsch" das Gegenteil vertreten.

Auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittins kritisierte Guttenbergs Umgang mit dem Parlament als eines Ministers nicht würdig. Im nun arbeitsfähigen Untersuchungsausschuss des Parlaments werde Guttenberg seine Worte besser abwägen müssen als in Talkshows: "Im Untersuchungsausschuss ist die Unwahrheit strafbewehrt", warnte er. Scharfe Kritik kam auch von der Linken, die dem Minister Kriegsblindheit vorwarf. "Herr zu Guttenberg, Sie haben keine Lizenz zum Töten", sagte der Linkspolitiker Jan van Aken. Der Bundestag habe nie die Erlaubnis zum gezielten Töten erteilt.