Auf die etwa 70 Millionen gesetzlich Versicherten kommen auch nach Sicht des Spitzenverbandes der Krankenkassen im nächsten Jahr erstmals auf breiter Front Zusatzbeiträge zu. Trotz der vom Bund zugesagten Steuerzuschüsse in Milliardenhöhe sei die finanzielle Lage der gesetzlichen Kassen kritisch, sagte die Vorsitzende des Spitzenverbandes der Krankenkassen, Doris Pfeiffer, der Berliner Zeitung. "Ich gehe deshalb davon aus, dass wir im nächsten Jahr im großen Maße Zusatzbeiträge bekommen werden", sagte sie der Tageszeitung.

Zuvor hatte bereits der Ersatzkassenverband VDEK nach einem Bericht der Zeitung Handelsblatt darüber informiert, dass das Bundesgesundheitsministerium von 25 Kassen ausgehe, die 2010 einen Zusatzbeitrag erheben müssen. Mehrere große gesetzliche Krankenkassen stehen unter Finanzdruck. Allerdings wollen die Kassen zunächst ohne die Zusatzprämie von bis zu einem Prozent des Einkommens zu Lasten ihrer Mitglieder ins neue Jahr starten.

Auch viele der rund 8,7 Millionen privat Krankenversicherten müssen im kommenden Jahr teils deutlich höhere Beiträge zahlen. "Es hat tendenziell zugenommen, dass Mitglieder von Erhöhungen im zweistelligen Bereich berichten", sagte der Chef-Berater des Bundes der Versicherten, Jens Trittmacher, am Donnerstag in Berlin. In einzelnen Tarifen könnten die Steigerungen im Vergleich zu den Vorjahren damit ungewöhnlich hoch ausfallen. Die durchschnittlichen Erhöhungen der einzelnen Versicherungsunternehmen lägen hingegen im normalen Rahmen.

Die Chefin des Kassen-Spitzenverbands, Pfeiffer, erneuerte die Kritik an der Bundesregierung und dem neuen Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). Schwarz-Gelb setze in der Gesundheitspolitik die falschen Schwerpunkte. "Die Prioritäten stimmen nicht", sagte Pfeiffer. Zwar sei es richtig, sich Gedanken über das Beitragssystem zu machen. Jetzt müsse es aber vor allem darum gehen, den Ausgabenanstieg zu bremsen. Außerdem forderte sie mehr Wettbewerb im Apothekensektor und eine Preisregulierung für neuartige, fast immer sehr teure Arzneimittel.