Die Opposition ist sauer. Sie verlangt nach Aufklärung über die Hintergründe der Tanklaster-Bombardierung bei Kundus, und der Verteidigungsminister erklärt sich nicht vor den Abgeordneten, sondern in Talkshows. In der Sendung von Reinhold Beckmann sagte Karl-Theodor zu Guttenberg Montagnacht: "Das Problem ist nur, dass wir die Realitäten allzu oft verschwiegen haben, was Afghanistan anbelangt. Wir müssen sehr viel deutlicher werden; die Menschen verstehen in unserem Land sehr viel besser, was sich dort abspielt, als wir es politisch gelegentlich kommuniziert haben."

Die Kommunikation. Auch darüber wird inzwischen heftig gestritten. Wann wem welches Detail über die Kundus-Affäre bekannt war, ist dabei der entscheidender Punkt. Guttenberg, der Getriebene, geht dabei inzwischen in die Offensive: Die Spitzenpolitiker von SPD, Grünen und Linkspartei seien lange darüber informiert gewesen, dass die Bombardierung der beiden Tanklaster bei Kundus in der Nacht zum 4. September auch den Taliban gegolten hätte, sagte er. Sigmar Gabriel und Jürgen Trittin müssten sich hüten, sich "nicht selbst dem Vorwurf der Täuschung auszusetzen".

Die Opposition nennt zu Guttenberg bereits den "Selbstverteidigungsminister". "Wir haben bereits am 6. November die Bewertung von Minister zu Guttenberg zurückgewiesen und gesagt, dass die Bombardierung ein schwerer Fehler war. Der Nato-Bericht legt das ganz klar nahe", sagte Hans-Peter Bartels, Verteidigungsexperte der SPD, ZEIT ONLINE. "Der Verteidigungsminister sitzt auf den entscheidenden Akten und hat Zugang zu allen beteiligten Personen. Nun wirft er der Opposition vor, die Öffentlichkeit nicht zu informieren. Das ist schon unverschämt."

Bartels und die anderen Mitglieder des Verteidigungsausschusses werden sich in den kommenden Monaten intensiv mit dem Luftschlag bei Kundus auseinandersetzen. Am Mittwoch wird sich das Gremium als Untersuchungsausschuss konstituieren. Dann sollen dessen Mitglieder den Angriff und dessen Aufarbeitung untersuchen. Damals, in der Nacht zum 4. September um 1:49 Uhr, warfen amerikanische Kampfjets auf deutschen Befehl zwei Bomben auf zwei Tanklaster ab. Dabei starben nach Nato-Angaben 142 Menschen, darunter zahlreiche unbeteiligte Zivilisten. Einige Quellen nennen höhere, andere niedrigere Zahlen.

Die Aufklärung der Vorgänge werde den Parlamentariern momentan nicht gerade leicht gemacht, heißt es immer wieder. "Viele Papiere sind nach wie vor als geheim eingestuft und auch für die Abgeordneten nur in der Geheimschutzstelle des Bundestags einsehbar", sagt Hans-Peter Bartels. "Die Informationspflicht über Vorgänge in der Exekutive liegt bei der Exekutive."

Die Informationspflicht der Regierung und des Verteidigungsministeriums fordert die Opposition nun ein. Rainer Arnold, Obmann der SPD im Verteidigungsausschuss, und sein Kollege Omid Nouripour von den Grünen luden am Dienstag zur gemeinsamen Pressekonferenz, um ihr Vorgehen im Untersuchungsausschuss und ihre Fragen an zu Guttenberg zu präsentieren.

Arnold, Nouripour und Paul Schäfer, Obmann der Linkspartei im Verteidigungsausschuss, werden am Mittwoch gemeinsam 93 Anträge stellen, um Zeugen zu laden und Beweismaterial sichten zu können. So soll der streng geheime Nato-Bericht, der auch als Com-Isaf-Bericht bezeichnet wird, "möglichst vollständig in offener Fassung vorgelegt werden", wie es in Antrag 1 heißt. Als Zeugen wollen die Vertreter der Opposition nicht nur Oberst Klein, den entlassenen Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und den Verteidigungsminister, sondern auch die Bundeskanzlerin befragen.