Das Bundesverteidigungsministerium sieht eine gezielte Tötung von Gegnern – wie sie angeblich beim Luftangriff in Kundus stattgefunden hat – nicht vom Bundestagsmandat für Afghanistan gedeckt. Wie die Leipziger Volkzeitung berichtet, sei eine gezielte Liquidierung von Zielpersonen demnach nicht mit dem Mandat vereinbar.

In mehreren Berichten – darunter auch von dem für das Bombardement verantwortlichen Bundeswehr-Oberst Georg Klein – ist allerdings von der gezielten "Vernichtung" ausgemachter Zielpersonen die Rede.

Bei dem Angriff am 4. September waren Taliban mit zwei von ihnen gekaperten Tanklastwagen in einem Flussbett stecken geblieben. US-Kampfjets hatten daraufhin die Tanklastwagen bombardiert, bis zu 142 Menschen starben oder wurden verletzt – darunter zahlreiche Zivilisten.

Das Ministerium stellte in der Zeitung nun klar, dass Zivilpersonen in Afghanistan nur mit militärischer Gewalt angegriffen werden können, "sofern und solange sie unmittelbar an den Feindseligkeiten teilnehmen". Allerdings mache die Gefechtslage in Afghanistan "den Einsatz tödlich wirkender Waffen unumgänglich".
 

 
Nach derzeitigem Kenntnisstand war es in der Angriffsnacht zu keinen direkten Kampfhandlungen oder Feindseligkeiten zwischen Taliban und Isaf-Soldaten gekommen. Es war jedoch unmittelbar nach dem Angriff von der Bundeswehr betont worden, die Taliban hätten die Tankwagen als rollende Bomben gegen das nur wenige Kilometer entfernt gelegene Bundeswehrfeldlager Kundus einsetzen können.

Der Angriff soll zudem auch erfolgt sein, weil sich dort vier hochrangige Taliban befanden. Das Ministerium betonte in einer schriftlichen Stellungnahme: Nehmen Außenstehende unmittelbar an Feindseligkeiten teil, könnten auch sie militärisch bekämpft werden.

Frühere Äußerungen des Ministeriums, die das ausdrückliche Verbot der Liquidierung von Zielpersonen durch die Bundeswehr in Afghanistan beschrieben, "stehen hierzu nicht im Widerspruch", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums dem Blatt. Da sich die Lage in Kundus verschärft habe, und die Bundeswehr "regelmäßig von organisierten und militärisch bewaffneten gegnerischen Kräften angegriffen und in Kampfhandlungen sowie länger andauernde Gefechte verwickelt wird", sei es erforderlich, dass die deutschen Soldaten ihrerseits nach militärischen Grundsätzen agierten, um ihren Auftrag durchsetzen zu können, sagte ein Bundeswehr-Sprecher.