Kalt, berechnend, machtgeil. Dieses Bild von Andrea Nahles gefällt dem Münchner Pattloch-Verlag nicht, der an diesem Donnerstag in Berlin das Erstlingswerk der SPD-Generalsekretärin präsentiert. Reichlich eindimensional sei Nahles, die vermeintliche "Königsmörderin", bisher von der öffentlichen Meinung dargestellt worden, schreibt der Verlag in der Presseeinladung. Ein Nachrichtenmagazin titelte sogar einmal, ziemlich despektierlich: Frau Nahles sei "der letzte Mann der SPD".

Tatsächlich, so versichert der Verlag, sei Nahles eine "nachdenkliche", eine "gläubige" Frau, die "nichts so sehr liebt wie ihre Familie und ihr Dorf in der Eifel" und die sich stets "für die Schwachen" einsetze.

Nahles selbst ist ebenfalls viel daran gelegen, dass diese zweite Facette ihrer Persönlichkeit bekannt wird. Deswegen hat sie das Buch geschrieben. Es heißt Frau, gläubig, links. Was mir wichtig ist. Keine klassische Biografie, sondern eine für den politischen Betrieb typische Hybridgattung aus persönlichem Erfahrungsbericht, politischer Programmatik und persönlich-politischer Abrechnung mit den Vorgängern, der soeben abgewählten Führungsriege der SPD.

So ist es auch diese andere Seite, die die ersten 20 Minuten der Buchpräsentation bestimmen. Das Menschliche steht im Vordergrund. Nahles öffnet sich. Sie, das "katholische Mädchen vom Lande" (Nahles über Nahles), erzählt von ihrer Realschule, von der Dörflichkeit, in der sie aufwuchs, von ihren Arbeiter-Eltern, die erst Jahre nach ihr der SPD beitraten.

Als zentrale und für Sozialdemokraten eher untypische Präge-Instanz führt Nahles ihren Glauben an. Der Katholizismus sei für sie eine "wichtige persönliche Kraftquelle". Sie wurde durch die ökumenische Jugendarbeit politisiert, auf einem Kloster in der Eiffel diskutierte sie viele Fragen zum ersten Mal. Hier "erschloss" sie sich "die Welt", hier entwickelte sie ihr "Rückgrat". Nahles wirkt bei solchen Sätzen durchaus authentisch und verletzlich.

Allerdings nicht gerade unbescheiden. Ihr "Leitmotiv", erzählt sie, habe ihr ein Bischof "mit auf dem Weg" gegeben: "Mache es wie Jesus, werde Mensch", lautet es. Was sie damit meint? Nahles erklärt: Man müsse sich "auch mal neben sich stellen, Fehler zugeben, zweifeln. Daran habe sie sich bisher gehalten, und das will sie auch künftig tun. Schließlich sei es doch der Kardinalfehler der SPD in den vergangenen elf Regierungsjahren gewesen: "Es durfte nicht mehr gezweifelt werden."