Die Nullerjahre, das waren die von 2000 bis 2009, also die mit einer doppelten Null in der Jahreszahl. Neun davon wird es in diesem Jahrtausend noch geben, 2100 wird das erste in dieser Reihe sein.

Kaum einer, der diese Zeilen liest, wird 2100 noch in eine Zeitung schauen können – die es mit der gleichen Gewissheit geben wird, mit der das gedruckte und geschriebene Wort Jahrhunderte, Jahrtausende überdauert hat. Natürlich ist die Behauptung wohlfeil, weil der Verfasser nie erfahren wird, ob sie zutrifft oder von heute vielleicht vermutbaren, aber eben doch sehr im Nebel der Zukunft verborgenen Entwicklungen als falsch verworfen werden wird.

Bleiben wir also bei den zehn nuller Jahren von 2000 bis 2009, mit denen wir nicht bei null angefangen haben – obwohl es für die notorischen Fortschrittsskeptiker bis zum letzten Tag des Jahres 1999 so ausgesehen hat. Befürchteten sie doch, ältere, aber durchaus noch zahlreich an den Schaltstellen unseres organisatorischen Weltgefüges eingesetzte Computer, würden sich beim Sprung vom 31. Dezember 1999, 23h, 59min, 59sec. an der neuen Zeit so verschlucken, dass sie ab 1. Januar 2000, 0h, 0min, 1sec. die Kontrolle über sich selbst und das Geschehen verlieren könnten.

Das war nicht das letzte der Weltuntergangsszenarien, die die Menschheit seit ihrem Anbeginn beschäftigen. Das Zeitalter des atomaren Patts der Supermächte vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem großen Wendejahr 1989 schien uns alle manchmal sehr nahe an die nukleare Apokalypse gebracht zu haben.

Aber im Rückblick war dieses Gleichgewicht des Schreckens wohl tatsächlich stabiler, als es die vergangenen 20 Jahre gewesen sind. Wachsende Unberechenbarkeit bestimmt seitdem das Leben vieler Menschen auf der ganzen Welt. Die Allgegenwärtigkeit des Terrors, umweltbedingte Hungersnöte, das Wüten diktatorischer Regime oder durch keinen Einfluss von außen zu zügelnde Bürgerkriege sind nur vier der Plagen der Moderne.

Aber in dieser Unwägbarkeit von Chancen und Unkalkulierbarkeit von Entwicklungen spielen freilich nicht nur negative Perspektiven eine Rolle. Selten zuvor gab es eine solche Dynamik im Wirtschaftskreislauf. Kaum jemals zuvor stiegen mittlere Mächte so schnell in die Spitzengruppe der weltweiten Entscheider auf, büßten aber auch mächtige Staaten ihre globale Vorrangposition so schnell ein wie im vergangenen Jahrzehnt.