Die Bundesregierung will Konsequenzen aus dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ziehen: Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte der Süddeutschen Zeitung: "Die Anliegen lediger Väter sind stärker zu berücksichtigen". Ein entsprechender Gesetzentwurf soll in dieser Legislaturperiode vorgelegt werden. Es gebe nicht wenige Väter von nichtehelichen Kindern, "die
Verantwortung für das Kind übernehmen wollen und das nicht als Machtfrage gegen die Mutter ansehen".

Ein generelles Sorgerecht auch für ledige Väter beurteilte die FDP-Politikerin dagegen skeptisch. Zumindest in den Fällen, in denen Vater und Mutter eines Kindes schon bei dessen Geburt nicht mehr zusammenlebten, sei dies keine gute Lösung, sagte die Ministerin. Dennoch stehe es außer Frage, dass Väter auch ohne zwingende Zustimmung der Mutter ein Sorgerecht bekommen können müssten.

Ähnlich äußerte sich der rechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer. "Das Wohl des Kindes steht im Mittelpunkt. Wir sind dafür, dass ein Vater bei Gericht ein Sorgerecht beantragen kann, wenn er den Kontakt zu seinem Kind pflegt und pflegen will", sagte der CDU-Politiker der Süddeutschen.

Nach derzeitiger Rechtslage können nicht verheiratete Väter in Deutschland nur mit Zustimmung der Mutter ein gemeinsames Sorgerecht erhalten. Bei ehelich geborenen Kindern gilt hingegen in der Regel ein gemeinsames Sorgerecht.

In ihrer Urteilsbegründung hatten die Straßburger Richter darauf verwiesen, dass ledige Väter von deutschen Gerichten, die gegen ein gemeinsames Sorgerecht entschieden hatten, anders behandelt wurden als ledige Mütter oder verheiratete Väter. Dies verstoße gegen das Diskriminierungsverbot und das Recht auf Achtung des Familienlebens der Europäischen Menschenrechtskonvention.

Die Kammer gab damit der Klage eines Deutschen statt, dessen 1995 geborene uneheliche Tochter bis zur Trennung der Eltern bei beiden gemeinsam und danach zunächst beim Vater aufwuchs. Auch nach einem Umzug des Kindes in die Wohnung der Mutter 2001 vereinbarten die Eltern einen regelmäßigen Kontakt von Vater und Tochter. Einer gemeinsamen Sorgeerklärung verweigerte sich die Mutter aber. 

Der 45-Jährige wollte daraufhin auf dem Klageweg das gemeinsame Sorgerecht bekommen, scheiterte damit aber bis zum Bundesverfassungsgericht: Die deutschen Gerichte verwiesen stets auf die Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs, Väter unehelicher Kindern könnten die gemeinsame Sorge nur durch eine gemeinsame Erklärung, durch Heirat oder durch gerichtliche Übertragung mit Zustimmung der Mutter bekommen.