Die internationale Militärmission European Endeavour läuft reibungslos: Im Auftrag der Vereinten Nationen überwachen Kampfflugzeuge der Bundeswehr eine entmilitarisierte Zone zwischen zwei Ländern, die bis vor Kurzem Krieg führten. In der Zone erhalten Flüchtlinge humanitäre Hilfe. Doch als ein dritter Staat die internationale Schutztruppe bedroht, entwickelt sich der Schutzeinsatz zu einer Kampfmission: Kampfjets der Luftwaffe greifen an, sie zerstören eine Abschussrampe.

Tank- und Transportflugzeuge sowie Helikopter stehen bereit, um die Einsatzfähigkeit der eingesetzten Tornados und Eurofighter zu verlängern und im Notfall abgeschossene Piloten zu bergen. Doch ein Rettungseinsatz ist nicht nötig: European Endeavour ist eine groß angelegte Übung. Mithilfe von an eine Wand projektierten Karten und Folien stellt ein General den fiktiven Angriff in einem Lagevortrag vor dem Verteidigungsminister und dem Inspekteur der Luftwaffe vor. Doch was in der Übung reibungslos lief, könnte in der Realität bald wegen veralteter Flugzeuge sehr viel schwieriger werden.

In einer Transall war Minister Karl-Theodor zu Guttenberg zum Wochenanfang von Berlin nach Neudorf an der Donau geflogen. Auf dem bayerischen Fliegerhorst traf er auf die Generäle der Luftwaffe und ließ sich die Flugzeuge, Hubschrauber und Flugabwehrsysteme vorführen.

Guttenberg bekam bei seinem Antrittsbesuch bei der Luftwaffe deutliche Worte zu hören. Der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Aarne Kreuzinger-Janik, prangerte die Verzögerungen bei wichtigen Rüstungsprojekten, vor allem beim Transportflugzeug A400M an. "Die Organisation der gesamten Luftwaffe ist davon betroffen", sagte Kreuzinger-Janik. "Die Transall muss nun erneut länger im Einsatz bleiben." Das bedeute auch, dass weiterhin Piloten für Maschinen ausgebildet werden müssten, die eigentlich so schnell wie möglich aussortiert werden sollen. Der Inspekteur der Luftwaffe forderte eine Klarstellung, ob der A400M nun kommt – oder nicht.

Darüber diskutieren nun Vertreter der Bestellerstaaten. Sie sollen eine Entscheidung vorbereiten, wie man auf die von Airbus verlangten höheren Kosten reagieren will. Der Flugzeugbauer verweist darauf, dass die Maschinen durch zusätzliche technische Anforderungen und die verringerte Stückzahl teurer geworden sind. Airbus-Chef Thomas Enders hatte deshalb in Interviews mit dem Ende des Projekts gedroht, falls die Staaten dem Flugzeugbauer beim Kostenstreit nicht entgegenkommen. Andernfalls werde der A400M für Airbus zum Milliardengrab.

Das Transportflugzeug wird bei der Bundeswehr dringend benötigt, um die in die Jahre gekommene Transall C-160 D zu ersetzen. Das sogenannte Arbeitstier der Luftwaffe wurde vor 50 Jahren entwickelt und ist seit 1967 im Dauerdienst. Bereits vor 20 Jahren wurde die Produktion der Transall eingestellt, Ersatzteile zu ordern erfordert einen hohen Logistikaufwand. Eine Ausmusterung des Frachtfliegers ist dennoch nicht in Sicht. "Wir werden die Transall bis 2020 und darüber hinaus nutzen", sagt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Mit mehreren Modernisierungen und Nachrüstungen verlängerte die Bundeswehr immer wieder die Einsatzzeit der Transall. Doch die drei Lufttransportgeschwader brauchen längst neue Maschinen – auch um die veränderten Anforderungen an die Streitkräfte in Afghanistan und am Horn von Afrika zu erfüllen. Da die Transall zu wenig Gewicht transportieren kann, müssen immer wieder Antonov-Frachtmaschinen aus der Ukraine angemietet werden, um schwere Fahrzeuge nach Afghanistan zu bringen.