Streit um Verfahrensfragen und gegenseitige Vorwürfe haben die erste Arbeitssitzung des Untersuchungsausschusses zu dem Bombardement von Kundus bestimmt. Die Fraktionen konnten sich zunächst nur auf die Reihenfolge der Themen einigen. Im Februar sollen die ersten Zeugen zu dem von einem deutschen Oberst angeordneten Luftangriff in der Nacht zum 4. September und den Geschehnissen danach gehört werden. Die verantwortlichen Politiker, allen voran Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und sein Vorgänger Franz Josef Jung (CDU), sollen nicht vor März vor die Mitglieder des Verteidigungsausschusses treten, der sich im Dezember zum Untersuchungsausschuss umgewandelt hat.

"Es zeichnet sich ein Kompromiss ab, ich kann noch nicht sagen, ob der zum Tragen kommt. Es sieht so aus, dass wir uns in den ersten drei Sitzungen mit den Vorfällen am und vor dem 4. September beschäftigen und dann politische Zeugen hören werden", sagte Susanne Kastner (SPD), die Vorsitzende des Ausschusses. Man habe sich aber noch nicht auf eine Reihenfolge der Zeugen festgelegt.

Kastner trat sichtlich gereizt vor die Mikrofone der Reporter. Stundenlang hatte am Mittwochabend ein interfraktionelles Gremium getagt, um die offenen Verfahrensfragen zu klären – ohne Erfolg.

Die Frage, ob Guttenberg noch vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai gehört wird, beantwortete Kastner vage. "Man könnte davon ausgehen." Gibt es keine Einigung, greift das sogenannte Reißverschlussverfahren: Abwechselnd dürfen Oppositions- und Regierungsparteien dann Zeugen benennen. Der Ausschuss soll nun jeden Donnerstag von mittags bis zum Abend tagen, in der Regel nicht öffentlich.

Die Obleute vereinbarten einen Arbeitsplan: Zunächst beschäftigen sich die Abgeordneten mit der Nacht, in der die Bomben fielen. Sie haben zahlreiche heikle Fragen zu klären: Wie kam Oberst Georg Klein zu seiner fatalen Entscheidung, die bis zu 142 Menschen das Leben kostete, darunter zahlreiche Zivilisten? Traf er den Entschluss allein, den amerikanischen F-15-Jets den Angriff auf von Taliban entführte Tanklaster zu befehlen? Oder gab es Kontakte aus dem Feldlager Kundus zu anderen Dienststellen der Bundeswehr in Afghanistan oder Deutschland?

Dann werden sich die Abgeordneten mit den Kommunikations- und Meldewege nach der Bombardierung auseinandersetzen. Wer erfuhr von wem was wann, lauten die vier entscheidenden W’s in diesem Punkt.