"Deutschland hat eines der schärfsten Gesetze der Welt", sagte die Ministerin im ZDF Morgenmagazin und wandte sich damit gegen Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Dieser hatte in den vergangenen Tagen wiederholt härtere Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger gefordert, die eine angebotene Arbeit ablehnen.

Jeden Monat würden laut von der Leyen 120.000-mal Sanktionen ausgesprochen. Jetzt komme es darauf an, dass die Regierung "nicht nur provokante Fragen stellt, sondern auch ganz solide Antworten gibt". Es sei wichtig, "dass die Debatte ohne Schaum vor dem Mund in Ruhe geführt wird".

Laut von der Leyen komme es jetzt darauf an, dass die Jobcenter schneller und zielgerichteter arbeiten. Auch die Regelsätze müssten neu berechnet werden. Darüber hinaus dürfe nicht nur gefordert, sondern die Förderung der Menschen in Hartz IV müsste konsequenter umgesetzt werden. Der Bund müsse sich konsequenter um die Förderung der Kinder kümmern, deren Eltern in Hartz IV seien.

Die diskutierte Erhöhung des Zuverdienstes bei Hartz IV bezeichnete die Ministerin als "Gratwanderung". "Man muss aufpassen, dass sich nicht mehr Menschen in Hartz IV wiederfinden, die länger im System bleiben."

Gegenüber dem Magazin Stern sagte sie, dass man nicht alle Langzeitarbeitslosen über einen Kamm scheren dürfe, und sie mehr Unterstützung bräuchten: "Es nützt nichts, diese Menschen zu beschimpfen. Sie sind da. Und sie haben einen Anspruch darauf, dass dieses Land sie nicht beiseite schiebt". Westerwelles Tonfall in der Hartz-IV-Diskussion bezeichnete die Ministerin als "sehr polarisierend". Das fördere nicht gerade eine konstruktive Diskussion.

"Zu einer ernsthaften Diskussion gehört aber auch dazu, nicht immer den einfachsten Reflex auszulösen", sagte von der Leyen. "Für einen 25-jährigen Arbeitslosen bringt es nichts, von einer Aktion zur nächsten geschickt zu werden. Er braucht vor allem die Perspektive auf einen ordentlichen Job." Westerwelle hatte vorgeschlagen, junge Langzeitarbeitslose zum Schneeschippen einzusetzen. 

Von der Leyen widersprach dem: "Die Grundhaltung muss sein: Jeder kann etwas, jeder wird gebraucht."