Es ist gerade mal etwas mehr als vier Wochen her, da kamen die Vorsitzenden der schwarz-gelben Koalition schon einmal zu abendlicher Stunde im Kanzleramt zusammen. Krisengipfel nannten das damals die Medien, weil dem Treffen ein wochenlanger Streit vor allem um die künftige Steuerpolitik vorausgegangen war.

Die Beteiligten wollten von Krise damals freilich nichts wissen. Um zu demonstrieren, wie gut sie sich verstanden, verzehrten Guido Westerwelle, Angela Merkel und Horst Seehofer anschließend gemeinsam Steak Tartar in einem Berliner Nobel-Restaurant. Die grüne Fraktionschefin Renate Künast spottete hinterher, das gemeinsame Essen von rohem Fleisch erinnere sie an die "archaischen Rituale verfeindeter Stammesfürsten".

Eine Neuauflage des damaligen Treffens findet am heutigen Abend statt. Wieder treffen sich Angela Merkel, Guido Westerwelle und Horst Seehofer im Kanzleramt, um – wie CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt im Vorfeld formulierte – "ihre Außendarstellung" zu verbessern.

Dabei scheint sich die Unionsseite auf einen gemütlichen Abend einzustellen. Diesmal werde es "nur leicht Verdauliches geben", versprach Dobrindt, auch wenn sein Chef sich kurz vor seinem Abflug eher "Bodenständiges", Bratkartoffeln nämlich, wünschte. Im Übrigen gehe es in erster Linie um die "Chemie und die Stimmung" in der Koalition. "Es wird die Friedenspfeife geraucht", kündigte Dobrindt an.

In der FDP sieht man dem Treffen allerdings deutlich weniger entspannt entgegen. Nach der Friedenspfeife ist dort vorerst niemandem zumute. "Wir sehen die Lage gar nicht rosig", heißt es stattdessen. "An diesem Abend werden deutliche Worte fallen."

Die Liberalen sind sauer, und zwar so richtig. Und daran ist vor allem die CSU schuld. Als besondere Frechheit wird es in Parteikreisen empfunden, dass sowohl Seehofer als auch sein Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) sich unmittelbar vor dem Treffen erneut deutlich gegen eines der Lieblingsprojekte der Liberalen ausgesprochen haben: die einkommensunabhängige Gesundheitsprämie. Und das an dem Tag, an dem das Kabinett gerade eine Kommission eingesetzt hat, die genau diese Prämie erarbeiten soll.

"Das ist kein glücklicher Start in ein solches Gespräch", heißt es in FDP-Kreisen. Stattdessen versuche die CSU ganz offensichtlich, die Situation weiter zuzuspitzen. Seit dem letzten Krisengipfel hat sich bei der FDP in dieser Hinsicht eine Menge Ärger angestaut.