Für ihren Vorschlag, dass Hartz-IV-Empfänger unter anderem in Altenheimen oder Sportvereinen bestimmte Aufgaben übernehmen könnten, erntete die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende nur von der FDP Zustimmung. Aus Kreisen von Union, Grünen und Linken kam Ablehnung. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles betonte, es gehe um ein freiwilliges Angebot. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte derweil, dass Arbeitslosengeld-II-Bezieher bessere Anreize für einen Wiedereinstieg ins Arbeitsleben bräuchten.

Kraft sagte dem Spiegel mit Blick auf Langzeitarbeitslose: "Diese Menschen können zum Beispiel in Altenheimen Senioren Bücher vorlesen, in Sportvereinen helfen oder Straßen sauber halten." Dafür sollten sie einen symbolischen Aufschlag auf die Hartz-IV-Sätze bekommen. Auf diese Weise entstünden dem Staat keine Mehrkosten. "Wir müssen endlich ehrlich sein. Rund ein Viertel unserer Langzeitarbeitslosen wird nie mehr einen regulären Job finden."

Die FDP begrüßte den Vorschlag, nachdem Parteichef Guido Westerwelle zuvor für seine Forderung, arbeitsunwillige Hartz-IV-Empfänger sollten zu gemeinnützigen Arbeiten wie "Schneeschippen" verpflichtet werden, scharf kritisiert worden war. Mit den Äußerungen gestehe die SPD erstmals ein, dass es im Sozialstaat einen
Erneuerungsbedarf gebe, sagte FDP-Generalsekretär Christian Lindner.

Kritik der anderen Parteien an SPD-Vize Kraft hagelte es in NRW, wo die schwarz-gelbe Koalition unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) am 9. Mai laut Umfragen um ihre Mehrheit bangen muss. Der Bundesvorsitzende des CDU-Sozialflügels, NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, nannte es "unerträglich", dass Kraft einem Viertel der Hartz-IV-Empfänger keine Chance mehr einräume.

Der designierte CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid sagte: "Bei Westerwelle müssen Hartz-IV-Empfänger Schnee schippen, bei Hannelore Kraft sollen sie im Frühling die Straße fegen." Ins gleiche Horn stießen die NRW-Grünen. "Hannelore Kraft geht Guido Westerwelle auf den Leim und macht Wahlkampf für die FDP", sagte deren Vorsitzende Daniela Schneckenburger.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles wies den Vergleich mit der FDP zurück. "Die Äußerungen von Hannelore Kraft haben nichts mit dem von Unkenntnis geprägten, populistischen Geplapper der Herrn Westerwelle und Lindner gemein", sagte sie. Zugleich betonte sie, dass es sich bei den gemeinnützigen Jobs um ein "freiwilliges Angebot" handeln müsse. Ähnlich äußerte sich SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil im Kölner Stadt-Anzeiger: "Uns geht es um eine Perspektive für die Perspektivlosen. (...) Westerwelle geht es um Zwang und Druck gegenüber Menschen, denen er Faulheit unterstellt, die aber faktisch keine Chance auf eine reguläre Stelle haben."

Der designierte Bundesvorsitzende der Linken, Klaus Ernst, kritisierte, Kraft plane nichts anderes als eine Verschärfung von Hartz IV. Arbeit ohne Lohn nehme den Menschen die Würde. "Wenn die SPD in NRW auf Null-Euro-Jobs für Langzeitarbeitslose setzt, gibt es keine Gesprächsgrundlage", sagte Ernst mit Blick auf die NRW-Wahl.