Mit seiner neuen Strategie für die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Muslimen hatte der Innenminister Protest unter Islamgläubigen hervorgerufen. Kurz vor einem Treffen der großen muslimischen Verbände deutet Thomas de Maizière (CDU) Kompromissbereitschaft an. Der Hintergrund: Er hatte die von seinem Amtsvorgänger Wolfgang Schäuble noch eingeladene Organisation Milli Görüs suspendiert, weil die vom Verfassungsschutz als "islamisch extremistisch" eingestuft ist und beobachtet wird. Es laufen Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche. Auch den konservativen Islamrat will er nicht mehr einladen. Er soll Fördermittel erschlichen haben.

Dem Islamrat hatte de Maizière in der Deutschen Islamkonferenz eine "ruhende Mitgliedschaft" angeboten, was der aber ablehnte. Nun will de Maizière verhindern, das ihm auch die anderen Organisationen von Bord gehen, insbesondere der erst in Schäubles Amtszeit zustande gekommene Zentralrat der Muslime – der erste muslimische Dachverband Deutschlands. Die Suspendierung des Moscheeverbandes Milli Görüs und des Islamrates aus der Konferenz habe "nichts mit den anderen Verbänden zu tun", sagte de Maizière der Süddeutschen Zeitung. "Diese sind weiter herzlich willkommen."

Die Deutsche Islamkonferenz ist das zentrale Gremium der Bundesregierung, um mit Muslimen über die Integration der etwa vier Millionen Religionsangehörigen in Deutschland zu sprechen. Das nächste Mal soll die Konferenz am 17. Mai zusammentreffen.

Bis dahin will der Minister den Verbänden insbesondere bei deren Kritik an seiner Schwerpunktsetzung entgegenkommen. "Themen wie Rassismus und Islamophobie können durchaus Platz finden", sagt er. Zuvor hatte der Zentralrat der Muslime bemängelt, diese Themen seien in de Maizières Konzept nicht einmal erwähnt.

Nun wollen der Zentralrat der Muslime, der aus der Berliner Konferenz ausgeschlossene Islamrat, die Türkisch-Islamische Union Ditib und der Verein der Islamischen Kulturzentren erneut in Köln über den Verbleib in der Konferenz beraten – und entscheiden. "Es wird sehr sorgfältig und verantwortungsvoll diskutiert werden, ich möchte dem Ergebnis nicht vorgreifen", sagte der Vorsitzende der Zentralrats, Ayyub Axel Köhler.

Eine offene Distanzierung des Zentralrats oder anderer Verbände von Islamrat und Milli Görüs blieb bisher aus. De Maizière kritisierte diese Haltung. "Da hätte ich mir unter den Verbänden eine kritischere Haltung gewünscht", sagte er. "Die Verbände sind in der Pflicht, aus den Vorwürfen gegen ihren Partner Islamrat Konsequenzen zu ziehen."