Die schwarz-gelbe Bundesregierung will die staatliche Entwicklungshilfe völlig neu ordnen. Aus drei bestehenden bundeseigenen Hilfsorganisationen mit insgesamt mehr als 16.000 Beschäftigten soll eine einzige große Entwicklungsagentur werden. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) begründete dies damit, dass "Doppelstrukturen" abgeschafft werden müssten. Offen ist noch, wo die Zentrale der neuen Agentur ihren Sitz haben wird.

Betroffen von der Reform sind die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) sowie der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) und die Bildungsagentur Inwent. Die Zusammenlegung gilt als eines der größten Projekte für den neuen Minister. Das genaue Konzept soll bis zur Sommerpause vorliegen. Vorgängerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) war mit früheren Reformplänen gescheitert. Die Zersplitterung der Entwicklungshilfe in so viele Organisationen ist weltweit einmalig.

Für die drei bundeseigenen Gesellschaften sind weltweit mehr als 16.000 Menschen tätig – davon die meisten mit befristeten Arbeitsverträgen in Entwicklungsländern. Mit Abstand größte Organisation ist die GTZ mit Sitz in Eschborn, die auf annähernd 14.000 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von etwa 1,4 Milliarden Euro kommt. Inwent hat etwa 800 Beschäftigte, der DED etwa 300 – beide sitzen in Bonn. Trotz der unterschiedlichen Größenverhältnisse versprach Niebel eine Fusion "auf Augenhöhe".

Fünf Monate nach dem Start der schwarz-gelben Koalition brachte der Minister seine Pläne offiziell ins Kabinett ein. In seiner Vorlage heißt es wörtlich: "Die Bundesregierung strebt die Schaffung einer neuen Organisation an, die international eine Vorreiterrolle in der Gestaltung einer modernen, zukunftsorientierten Entwicklungszusammenarbeit (EZ) einnimmt und die Effektivität und Nachhaltigkeit der EZ steigert." Die konkreten Beschlüsse zur künftigen Struktur sollen im Lauf des Jahres folgen.

Viele Streitfragen sind noch offen. Dazu gehört insbesondere, wo die neue Organisation ihren Sitz haben wird. Offen ist auch, wie viele Arbeitsplätze der Fusion zum Opfer fallen werden. 

Fest steht bereits, dass die Organisation einen neuen Namen bekommen soll. Im Gespräch sind Vorschläge wie Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZA) oder Deutsche Entwicklungsagentur. Ungeklärt ist, ob die neue Agentur zu einem späteren Zeitpunkt enger mit der KfW Entwicklungsbank vernetzt wird, die sich um die Finanzierung von vielen Projekten kümmert. Im Jahr 2008 stellte Deutschland nach offiziellen Zahlen insgesamt rund 14 Milliarden US-Dollar an Entwicklungshilfe zur Verfügung.

Die Grünen verlangten, die KfW Entwicklungsbank bereits jetzt in die neue Agentur zu überführen. Auch der Hilfsorganisationen-Dachverband Venro hält die Neustrukturierung für sinnvoll.