Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilt die umgangssprachliche Bewertung der Bundeswehr-Mission in Afghanistan als Kriegseinsatz. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) habe seine entsprechende Formulierung "in Rücksprache mit dem Bundeskanzleramt" gewählt, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans. Guttenberg hatte die neue Einstufung vorgenommen, nachdem am Karfreitag bei Gefechten nahe Kundus drei deutsche Soldaten getötet und acht verletzt worden waren.

Die Kritik an Ausrüstung und Ausbildung der Bundeswehr hielt unterdessen unvermindert an. Der scheidende Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD) warf der Bundeswehrführung Unkenntnis vor. Er habe den Eindruck, "dass die Realitäten wie jetzt in Kundus zu wenig von der militärischen Führung wahrgenommen werden", beklagte der SPD-Politiker in der Saarbrücker Zeitung. Es sei "absolut nicht zu akzeptieren", wenn Ausbildung erst im Einsatz erfolge.

Hinsichtlich der Ausrüstung räumte das Verteidigungsministerium "Ergänzungsbedarf bei Hubschraubern" ein. "Der mittlere Transporthelikopter NH90 und der Kampfhubschrauber Eurocopter "Tiger" sind bestellt, aber leider noch nicht einsatzfähig", sagte Staatssekretär Christian Schmidt (CSU). Zugleich stellte er den Nutzen von mehr Kampfhubschraubern infrage: "Was helfen uns mehr Kampfhubschrauber, wenn sich die Taliban in Häusern mit Familien und Kindern verschanzen?"

Wann der Tiger einsatzfähig sein wird, konnte ein Sprecher des Ministeriums nicht sagen. Neun Exemplare werden derzeit von der Bundeswehr getestet. Frankreich hat bereits drei Tiger nach Afghanistan geschickt.

Forderungen nach Einsatz des Kampfpanzers Leopard 2 oder der Panzerhaubitze 2000 wies das Ministerium zurück. Eine Verlegung dieser schweren Geschütze sei im Moment nicht geplant, sagte der Sprecher.

Am Heimat-Standort der bei Kundus angegriffenen Soldaten im niedersächsischen Seedorf haben bereits unzählige Menschen ihre Anteilnahme bekundet. Mehrere Kondolenzbücher seien schon vollgeschrieben, sagte der Sprecher der Luftlandebrigade 31, Hauptmann Björn Gornik.

Zwei der verletzten Soldaten geht es inzwischen deutlich besser. Der Sprecher des Sanitätsführungskommandos, Oberstleutnant Ralph Adametz, sagte auf Anfrage, dass die Männer mittlerweile auf einer normalen Station des Bundeswehrzentralkrankenhauses in Koblenz lägen. Der Zustand von zwei anderen Soldaten, die schwer verletzt auf der Intensivstation behandelt werden, sei unverändert stabil.