Er lächelt in die Kameras, er schaut selbstbewusst. Frank-Jürgen Weise genießt die Aufmerksamkeit, die seine neue Aufgabe mit sich bringt. Übergroßen Respekt vor der neuen Betätigung, die er quasi im Nebenjob, "auch am Wochenende" erledigen will, scheint der Chef der Bundesagentur für Arbeit nicht zu haben. Dabei steht Weise vor einer Mission, die es in sich hat.

Der 58-jährige Betriebswirt soll unter anderem die Führungsstruktur der Bundeswehr, die Wehrpflichtreform, die Kommunikation im Verteidigungsministerium und die Rüstungsbeschaffung überprüfen. An der Spitze einer neuen Strukturkommission soll er die Armee und das Ministerium effizienter machen. Eine Aufgabe, an der manch anderer gescheitert ist.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg setzte die Weise-Kommission nun ein. Neben dem Chef der Bundesagentur berief er weitere namhafte Mitglieder, von denen kaum jemand Militärerfahrung besitzt: DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann, der ehemalige Deutschlandchef der Unternehmensberatung McKinsey, Jürgen Kluge, und die frühere Präsidentin des Bundesrechnungshofs, Hedda von Wedel, stehen vor allem für wirtschaftlichen und finanziellen Sachverstand. Erfahrung in der Außenpolitik bringt der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Hans-Ulrich Klose mit. Ein Bundeswehr-Insider ist lediglich der deutsche Nato-General Karl-Heinz Lather.

Der Minister fordert eine ehrliche Defizit-Analyse, die Schwächen und Stärken offenbart. "Es ist alles andere als von Schaden, mit dem Blick von außen zu kommen", sagte zu Guttenberg. Die Bundeswehr sei schließlich ein großer, komplexer Apparat.

Es ist alles andere als von Schaden, mit dem Blick von außen zu kommen
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg

Effizienz ist in Zeiten der Haushaltsbremse und einem sinkenden Wehretat besonders wichtig. Jedes Ministerium müsse wirtschaftlicher werden, sagte zu Guttenberg. Auch das Verteidigungsressort und damit auch die Armee. Zwar habe die Bundeswehr bereits mehrere Transformationsprozesse durchlaufen, sagte der Minister, aber in manchem Bereich sei noch viel zu tun. Weise soll dazu die Impulse geben.

Gegen verkrustete Behördenstrukturen kämpft Weise, seitdem er 2002 zum Finanzvorstand der Bundesagentur berufen wurde. Zwei Jahre später wurde er deren Chef – als CDU-Mitglied unter einem sozialdemokratischen Minister. Auch damals schreckte ihn die Herausforderung nicht: Weise musste die Hartz-Reformen umsetzen und der Arbeitsverwaltung einen Service-Gedanken einbläuen. Seitdem heißen die Arbeitslosen in der Behörde Kunden und für das Management gibt es Zielvereinbarungen.

Der Minister erhofft sich viele Anregungen von Weises Team. Bisher würden personelle und finanzielle Ressourcen nicht effizient genug genutzt. Als Hemmnis nannte der Minister auch die vorhandenen Doppelstrukturen. "Es gibt das eine oder andere seit Jahrzehnten gewachsene Erbstück, das nicht nur Freude ausgelöst hat", sagte zu Guttenberg diplomatisch. Konkreter wollte der Minister nicht werden, um der Kommission nicht vorzugreifen. Eine klare Botschaft hatte der CSU-Politiker dann aber doch: Die Anzahl der Soldaten will zu Guttenberg nicht antasten. 

"Ziel ist es nicht, die Bundeswehr neu zu erfinden", sagte zu Guttenberg. "Vor allem gilt es, das, was wir an personellen und finanziellen Ressourcen haben, optimal zu nutzen." Die Einrichtung der Kommission hatten Union und FDP bereits im Koalitionsvertrag beschlossen. Die Weise-Kommission soll bis zum Jahresende erste Ergebnisse liefern.