Lasse Becker würde man auf den ersten Blick nicht unbedingt für einen Jungliberalen halten. Die Mittzwanziger des FDP-Nachwuchses sind meist ziemlich schick gekleidet. Oft tragen sie Maßanzüge oder Kostüme. Alles blitzt und blinkt, man ist gebügelt, gegelt und gestriegelt.

Becker hingegen, der seit diesem Wochenende den JuLis vorsteht, sieht immer ein bisschen so aus, als wäre er eben erst aufgestanden. Die Haare stehen in verschiedene Richtungen. Das Hemd ist zerknittert, so als hätte er es gerade beim Laufen erst in die Hose gestopft.

Kein Wunder also, dass die Fotografen, die ihn und Christian Lindner, den stets elegant gekleideten Generalsekretär der FDP, am Wochenende fotografieren wollten, fragten, wo denn eigentlich der neue JuLi-Chef sei? Und meinten: Es sei doch nicht etwa dieser pummelige Kerl im Polo-Shirt neben Lindner?  

Besser ins Bild der Fotografen hätte vermutlich Leif Schubert gepasst, der baden-württembergische Landesvorsitzende, der Becker an diesem Wochenende in der Kampfabstimmung um den JuLi-Bundesvorsitz knapp unterlag. Die Welt nannte den Jura-Studenten einen "smarten Marktradikalen". Schubert, der immer akkurat gekleidet ist, interessiere sich "vor allem für Steuerpolitik", heißt es leicht verächtlich aus dem Becker-Lager. Also für Westerwelles Leib- und Magen-Thema – mit nichts anderem wird die FDP so stark in Verbindung gebracht.

Viele in der Jugendorganisation wollen allerdings weg von dieser monothematischen Fixierung, weg vom Stigma des kalten, glatten Nachwuchsvereins Westerwelles. Als junge, treibende Kraft eines ganzheitlichen Liberalismus wollen sie wahrgenommen werden, nicht als Abnickverein der Old-School-FDP.

Schon unter Beckers Vorgänger Johannes Vogel setzten sich die JuLis kritisch mit den Thesen der Mutterpartei auseinander. Durchaus selbstironisch grenzten sie sich von dem Schnösel-Image der FDP ab. Immer wieder mahnten sie, zwischen den Steuer-Debatten dürften die Bürgerrechte, die Netzpolitik, die Generationengerechtigkeit nicht zu kurz kommen. Sie versuchten andere Begriffe zu prägen, wie den "mitfühlenden Liberalismus" oder "liberale Solidarität", mit denen sie sich in erster Linie von der neo-liberalen Generation Westerwelle abgrenzten.

Dafür scheint Becker gut geeignet. Protest gegen die Altvorderen, das kann er zumindest. In seinem Landesverband Hessen war er einer der wenigen im FDP-Landesvorstand, der sich gegen Studiengebühren aussprach. Später kritisierte er seine Landesführung, weil die sich im Koalitionspoker verfrüht auf Roland Kochs Seite gestellt habe.

Auch auf Bundesebene machte der 27-Jährige schon ganz ordentlich Dampf: Guido Westerwelle ermahnte er im Herbst öffentlich, nun als Außenminister die Generationengerechtigkeit nicht zu vergessen. Er fragte ihn in einer Debatte, ob er "das liberale Sparbuch" aus dem Wahlkampf schon wieder in der Schublade verstaut hätte. Dieses Aufbegehren kam bei den JuLis gut an.