Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat angesichts der Griechenland-Krise ein funktionierendes Kontrollsystem gefordert. "Wir müssen in die Volkswirtschaften reinsehen können. Zudem brauchen wir eine stärkere Koordination der Wirtschaftspolitiken. Dazu erwarten wir Vorschläge von der EU-Kommission", sagte sie der in Bielefeld erscheinenden Neuen Westfälischen. Dass diese Koordination bislang allenfalls in Ansätzen existiere, halte sie nicht für einen Webfehler des Euro. "Richtig ist aber, dass wir deutlich mehr Transparenz benötigen, um möglich Gefahren früher zu bemerken. Nur so wäre es möglich, nicht unter zeitlichen Handlungsdruck zu kommen."

Auch Bundesbankpräsident Axel Weber forderte eine deutliche Verschärfung der finanzpolitischen Regeln in der EU. "Der deutsche Steuerzahler profitiert von einem stabilen Euro, und den gilt es zu bewahren", sagte Weber der Bild-Zeitung. Dazu diene auch die an harte Auflagen geknüpfte vorübergehende Unterstützung Griechenlands. "Damit dies aber eine absolute Ausnahme bleibt und es in Zukunft erst gar nicht mehr so weit kommt, müssen wir als eine zentrale Lehre die finanzpolitischen Spielregeln in der EU deutlich schärfen."

Die SPD-Bundestagsfraktion verlangt statt einer bloßen Finanzhilfe für Griechenland eine umfassende Regelung zur Verhinderung ähnlicher Schuldenkrisen. Fraktionsvorsitzender Frank-Walter Steinmeier sagte am Mittwochabend im ZDF: "Es muss eine richtige Regelung sein. Das kann nicht nur eine Ermächtigung für ein paar Milliarden an die Bundesregierung sein, darin muss auch Vorsorge getroffen werden, dass sich ähnliche Fehlentwicklungen (...) nicht wiederholen."

Zugleich drängte der Oppositionschef die Regierung aber zur Eile. "Wir können Griechenland nicht weiter trudeln lassen."

Wie die Oppositionsparteien verlangten auch Unionspolitiker eine Beteiligung der Gläubigerbanken an Finanzhilfen sowie harte Sparauflagen für Griechenland. Die Bundesregierung sieht dies skeptisch. Der Chef der deutschen Unionsabgeordneten im EU-Parlament, Werner Langen (CDU), äußerte in der Welt den Eindruck, "dass im Bundesfinanzministerium die Interessen der Banken über die Interessen der Steuerzahler gestellt werden".

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, forderte in der Mitteldeutschen Zeitung, die Gläubigerbanken unter Druck zu setzen, damit "sie Griechenland die Schulden stunden oder erlassen". Unionsfraktionsvize Michael Fuchs verlangte in der Welt eine Umschuldung Griechenlands, also eine verzögerte Rückzahlung der Schulden.

Wie SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte auch der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir die Bundesregierung auf, sich für die Einführung einer Finanzumsatzsteuer auf europäischer Ebene einzusetzen. Bei einem Steuersatz von 0,01 Prozent könne Deutschland pro Jahr 14 Milliarden Euro einnehmen, sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger.